Lauschposten

An ein semiprofessionelles Tonbandgerät müssen symmetrische, niederohmige Mikrofone nach DIN 45 594 anschließbar sein.“ So fordert die Funkschau im Jahre 1977. Die symmetrische Kabelauslegung hat den Vorteil geringer Störanfälligkeit selbst bei großen Kabellängen.

Die TS 1000 besitzt zwei Mikrofon-Eingänge, die nach symmetrischer und asymmetrischer Norm umschaltbar sind. Der eine für den rechten, der andere für den linken Kanal, jeweils einem Flachbahnregler zur Aussteuerung zugeordnet. Die linke Buchse ist auch für die Einspeisung eines Stereosignals geeignet. Die Umschaltung vom Stereo- auf den Monobetrieb geschieht automatisch am Vorverstärker-Eingang unter Verwendung von Reedkontakten, wenn eine Steckerhülse in die rechte Mikrofonbuchse eingeschoben wird.

Mit einem Schraubendreher läßt sich der kleiner Schalter zwischen den beiden Mikrofon-Buchsen verstellen. In Stellung „L“ (Low) kommt ein Mu-Metall geschirmter symmetrischer Eingangsübertrager für Mikrofone nach N-Norm zum Einsatz. In der Stellung „H“ (High) wird der Übertrager vom Verstärkereingang abgetrennt und macht den Einsatz für asymmetrische Mikrofone nach M-Norm frei. In Stellung „High“ kann der Mikrofoneingang auch für den Anschluß einer Hochpegel-Quelle, zum Beispiel für einen Kristall-Tonabnehmer, verwendet werden.

Die Buchsen der Grundig sind neben dynamischen natürlich auch für Kondensator-Mikrofone eingerichtet. Sollten diese über keine eigene Versorgungsspannung verfügen, hilft der zentralen Pin 6 der DIN-Buchse bei der Stromversorgung, an den über eine abgeschirmte Leitung die Vorverstärkerbetriebsspannung geführt ist.
Die HiFi-Stereophonie stellte allerdings fest, daß der Mikrofon-Eingangsübertrager für hochwertige Ansprüche eigentlich zu klein dimensioniert sei. „Mittelohmige Mikrofone (500 Ohm) sollten nicht angeschlossen werden, da mit wachsender Impedanz des Mikrofons die Verzerrungen deutlich zunehmen und der Baßfrequenzgang leidet. Ebenso können Trittschallgeräusche zu Intermodulationsverzerrungen führen, indem sie den Übertrager magnetisch „zustopfen“.
Die Übersteuerungsgrenze sei mit -30 dBV für Amateurzwecke viel zu niedrig. Der Mikrofoneingang müsse daher zu oft umgeschaltet werden, womit sich allerdings auch die Kontaktbelegung ändere, so daß immer wieder unsymmetrisch und daher mit Kabeladaptern gearbeitet werden müsse. Auch sei der Radioeingang für das Zumischen weiterer Mikrofone wenig geeignet, da er in diesem Betriebsfalle zu stark rausche und sowieso phasenverdreht arbeite.

Hier stellt sich mir die Frage, ob der ambitionierte Amateur, der mehrere Mikrofone mischen will, nicht lieber gleich zum Mischpult gegriffen haben mochte, anstatt Mikrofone am Radio-Eingang anzuschließen. Welche andere Bandmaschine hat noch gleich mehr als zwei Mono-Eingänge für Mikrofone? Was bleibt ist die Empfehlung, für den Einsatz der Grundig als Mastermachine der grundsätzlichen Vorstellung zu folgen, die die Funkschau veröffentlichte, und niederohmige Mikrofone einzusetzen – Grundig empfiehlt eine Impedanz von 200 Ohm -, dabei nicht zu übersteuern und während der Aufnahme nicht herumzutrampeln.

Grundig Mikrofon GDSM 331 – futuristisches Aussehen wie im Raumschiff Orion. (c) Heinz D. Schultz

Allerdings frage ich mich, wie viele Anwender wohl jemals ein symmetrisches Mikrofon an die Grundig angeschlossen haben mögen, anstatt zum Beispiel zu einem Grundig Kondensator-Mikrofon zu greifen, das der freundliche Fachhändler für diesen Zweck sicher gerne bereit hielt. Bei uns führte dies schon zu TK845-Zeiten zum Einsatz des GCMS332. Der Verkäuferin meines potentiellen Grundig Tonbandgeräte-Händlers um die Ecke hätte ich jedenfalls kaum zugetraut, daß sie neben der Fähigkeit zur Reparatur des Grundig-Fernsehgerätes auch Ahnung vom Unterschied zwischen symmetrischen und asymmetrischen Mikrofonen gehabt hätte.

Überhaupt vermute ich, wird der stolze TS1000-Besitzer seine Maschine eher nicht an den Henkel genommen und in den nächsten Club geschleppt, stattdessen lieber im heimischen Wohnzimmer an den interessanten Knebelschaltern gedreht und Flachbahnreglern geschoben haben, die da mit Multiplay, Synchroplay und Echo bezeichnet sind, während er zur Plattenaufnahme eine Ansage eingemischt oder mitgesungen hat. Das jedenfalls war bei uns zu Hause die Hauptbeschäftigung der alt-ehrwürdigen TK845.

So lassen sich mit Duoplay zwei Spuren einer Laufrichtung gemeinsam wieder- und einkanalig ausgeben. Auf diesem Wege lassen sich zum Beispiel Stereoaufnahmen vollinhaltlich auf ein Monogerät kopieren. Mit Synchroplay kann der Grundig-Ḅediener einer Führungsspur eine Synchronspur hinzufügen oder mit Hilfe von Multiplay die Mono-Aufnahme einer Spur zusammen mit einer Zumischung auf eine zweite Mono-Spur kopieren. Die beiden Flachbahnregler des Kopfhörer-Verstärkers erlauben dabei die kanalweise Kontrolle der Aktivitäten.

Die TS 1000 überragt ihre Ahnen zudem durch die Möglichkeit der stufenlosen Einstellung und Änderung der Arbeitsgeschwindigkeit während der Wiedergabe oder Aufnahme. Neben der Möglichkeit, die Grundig für den Einsatz mit fremdbespielten Bändern zu synchronisieren, wissen „Spielkinder“ die „VarSpeed“-Funktion  im Zusammenspiel mit der Echo-Schaltung zu schätzen, die durch die Veränderung der Nachhallzeit individuelle Effekte erzeugen helfen kann. Übrigens in Mono und Stereo. Die Lautstärke der Echo-Einblendung läßt sich ebenfalls stufenlos regeln. Natürlich kann VarSpeed auch als Pitch-Funktion eingesetzt werden, um beispielsweise mit Synchro- oder Multiplay ein Duett oder einen Chor der eigenen Stimme in unterschiedlichen Tonhöhen zu erzeugen.
Die Aussteuerungsautomatik ist im Trickbetrieb übrigens immer abgeschaltet.

Neben der Aufnahme von Hand kann die Grundig auch per Zeitschaltuhr automatisch gestartet werden. Der Netzschalter birgt dafür eine verriegelte Position „Timer“, die nach dem Druck auf die Verriegelungstaste vorgewählt werden kann. Die Grundig startet dann bei Stromzufuhr im Aufnahmebetrieb. Das tut sie so lange, bis das Band zu Ende oder der Timerbetrieb abgeschaltet ist
Insbesondere hier mag sich die Einstellung der Aussteuerungsautomatik oder des Limiters lohnen. Insbesondere dann, wenn der Dynamik-Charakter der programmierten Sendung nicht vorhersehbar ist.

Wer in Besitz eines Dia- oder Schmalfilmprojektors ist, findet über dessen Anschlußbuchse nach DIN 45 523 und ein Adaptergerät (z.B. Grundig SonoDia 272a oder Volland Synton 8T oder 16T) Anschluß an die Grundig, die sich auf diesem Wege mit dem Projektor synchronisieren kann.
Dazu wird mit Hilfe des Dia-Pilotkopfes zusätzlich zum Programm auf die jeweilige Außenspur ein Steuersignal aufgezeichnet, das das Bandgerät im Wiedergabebetrieb ausliest, unhörbar an das Projektoren-Steuergerät weitergibt und damit den Ablauf der Projektion, zum Beispiel den Bildwechsel, steuert.
In den grünen Grundig Service Büchern sind übrigens Empfehlungen für die Abänderung der Kabel anderer Hersteller (Agfa) bzw. Beispiele für Anschlußbuchsen bestimmter Projektoren aufgeführt. Auch einen Inkompatibilitäts-Hinweis findet man hier.

Aber auch andere kleine Helferlein unterstützen den Grundig-Hüter bei der Arbeit mit seiner Maschine: So besitzt die TS1000 eine eingebaute Klebeschiene mit Schnittlineal und Halteklammern für das Tonband, und ist damit nicht nur gut für Reparaturzwecke, sondern insbesondere auch für den kreativen Bandschnitt geeignet. Zumal die Bandführung so konzipiert ist, daß sich das Bandmaterial schnell und bequem einlegen läßt: Einfach in den Schlitz der Kopfträgerverkleidung schieben, um die linke und rechte Umlenkrolle führen, und straff ziehen; keine weitere Rolle oder Führung muß dabei umwickelt werden. Eine zusätzliche, mechanische Pausentaste hilft beim schnellen Wieder-Einstieg in die vorher gewählte Funktion.
Eine aufsteckbare Reinigungsgabel mit drehbaren Filzröllchen, bei Grundig schon ein beinahe historisches Ausstattungsdetail, wird beim langsamen Umspulen zur Bandreinigung genutzt.

Sehr praktisch auch die Cueing-Funktion, mit deren Hilfe das Wiedergabesignal im Umspulbetrieb abgehört werden kann. Dabei bleibt die Höhenanhebung der Entzerrung im Wiedergabeverstärker abgeschaltet, um die Lautsprecher nicht zu gefährden. Auch hier erweist sich die Möglichkeit der stufenlosen Regelung der Umspulgeschwindigkeit als ausgesprochen praktisch: Man kann gesuchte Bandstellen sehr langsam anfahren.

Bandzählwerk mit Zielposition (c) Matthias Madsen

Ebenfalls als Bandstellen-Suchhilfe, aber noch viel umfangreicher nutzbar, ist der ausgesprochen sinnreiche Mechanismus des vierstelligen, Riemen-getriebenen Bandzählwerkes. Für dieses besitzt die Grundig zwei Anzeigen: Die obere, vierstellige und mit Rückstell-Taste versehene Zählwerks-Anzeige entspricht dem Standard. Die untere macht den Mechanismus interessant, weil jede der vier Ziffern-Anzeigen als Rädchen ausgeformt ist und die manuelle Einstellung einer beliebigen Ziffernfolge ermöglicht, die natürlich einer Bandstelle entspricht. Mit Hilfe der Memory-Funktion – eine rote LED meldet deren Aktivierung – kann dieser voreingestellte Zählwerks-Wert dann angefahren werden. Aus jeder Laufwerksfunktion stoppt die Grundig, sobald die Ziffern von Bandzählwerk und Vorwahlzähler übereinstimmen.

 

…. weiterlesen : „Touch me – Feel me“