TS1000 Mythos, Legende, Träume, Glas-Ferrit Tonköpfe und 38cm/s – (K)eine Weihnachtsgeschichte

TS1000-Mythos 38cm

Das Jahr neigt sich dem Ende. Es ist viel geschehen im sich verabschiedenden Jahr 2018. Viele von Euch wissen ja durch viele Emails, Telefonate und persönliche Gespräche, dass meine Leidenschaft zur TS1000 seit über 44 Jahren ungebrochen ist. Trotz perfektionierter Digitaltechnik, Streaming-Technologien, Alexa, Siri und dem Trend zum Minimalismus, gibt es noch Liebhaber der analogen Tonbandtechnik.

Mehrere Gruppen auf Facebook, Diskussionsrunden in Foren und Treffen im realen Leben, vereinen die Leidenschaft zu den Spulendrehern. Natürlich sind unter den geschätzten 3000 Fans alleine in Deutschland, nicht nur TS1000 Liebhaber. Revox, Akai, Tascam, Teac, Tandberg, Pioneer, Telefunken, Uher, Sony, Technics u.v.a. sind kreuz und quer vertreten und die Marken ihrer Tonbandgeräte werden auch in „Benzingesprächen“ verteidigt.

Im Rückblick möchte ich gerne auf ein paar Erlebnisse eingehen, die mir im Herbst dieses Jahrs viel Freude bereitet haben.

GRUNDIG TS1000 mit 38cm/s

Ja, es gibt und gab sie, die TS1000 mit der Bandgeschwindigkeit 38cm/s. Wenn auch nur als Labormuster aber immerhin war das Labormuster schon sehr nahe an der Serie dran.

Der Tonwellenmotor der Grundig TS1000 . 38 cm/s – Direct-Drive (c) Heinz D. Schultz

Ein direkter Capstan Antrieb und eine quarzstabilisierte Motorsteuerung für die Geschwindigkeiten 9,5 cm/s,  19,25cm/s und 38cm/s sind in der TS1000 von Herrn Eduard G. aus Eggolsheim verbaut. Der liebenswerte Künstler und Liebhaber der analogen Audiotechnik und auch Fotografie, hat mich nach einer durchgeführten Netzteil-Revision über die Existenz dieses Labormusters informiert. Die Aufnahmen belegen, dass sich die Grundig Techniker intensiv mit der Forderung einiger Liebhaber auseinandergesetzt haben, auch höhere Bandgeschwindigkeiten anzubieten. Die Tauschbarkeit der Tonkopfträger und der Einsatz von 2-Spur Trägern kam wohl schon von einem der cleveren Vordenker im Fürther TS1000 Entwicklungslabor von Herrn Schaller. 

Direct Drive Capstan (c) Heinz D. Schultz

Spannend am Labormuster ist der mechanische und elektronische Aufbau. Als Capstan Direktantrieb kam ein Motor zum Einsatz wie er damals in Direct-Drive Plattenspielern verbaut wurde. Der Motor wurde durch die Motorsteuerung für ein robustes Drehmoment ausgelegt. Das belegt die Batterie der Leistungstransistoren BD177. Eine Drehzahlstabilisierung, natürlich quarzgesteuert, für die Geschwindigkeiten 9.5cm/s bis 38cm/s funktioniert tadellos. Ich konnte Gleichlaufschwankungen von unter 0,003% messen. Sehr schön integriert ist auch eine Kontroll-Leuchte im Geschwindigkeitsregler. Eine kleine LED signalisiert das Erreichen der genauen Geschwindigkeit.

TS1000 – 38 cm/s Leistungstransistoren für den Direct-Drive   (c) Heinz D. Schultz

Mechanisch ist der Direktantrieb in einem vollständig abgeschirmten Metallgehäuse dort verbaut, wo üblicherweise die große Schwungmasse der Seriengeräte regiert. Die Motorachse ist etwas größer als die Serie. Um das Achspendeln zu verhindern, wurde eine Achsjustierung installiert. Diese verhindert das axiale Spiel und sorgt nebenbei für Laufruhe im Turbogang. Die Andruckrolle ist 1:1 Serie und auch hier mit hochwertigem Sinterlager gefertigt. Lediglich der Druckpunkt wurde aufgrund des größeren Achsdurchmessers um 2,8mm nach hinten versetzt.

Der erste Hörtest mit 38cm/s und wohlbemerkter 4-Spur Aufzeichnung haben sehr beeindruckt.

Die Serienmaschine hat bei 19 cm/s – Viertelspur 64dB (mit Dolby 72 dB) Geräuschspannungsabstand ohne Dolby geliefert. Die Maschine hier hat es bei 38 cm/s auf 69 dB geschafft.

Mit testweise eingesteckten Dolby-Platinen konnte dieser Wert um weitere 8dB auf 77 dB gepusht werden. Die Höhendynamik bei der Serien-Schwester liegt bei 54 dB, die Höhendynamik dieser Maschine bei 74dB, Tiefendynamik bei 54 dB (Serie 50dB bei 19 cm/s)

Die Maschine von Eduard G. steht nun in der ts1000.de Werkstatt und wird in den nächsten Tagen einer kleinen Revision unterzogen. Die beste Gelegenheit, ausführlicher hinter die (Platinen) Kulissen zu schauen.

Bildergalerie TS1000 -38 cm/s -Direct Drive Capstan von Eduard G. aus Eggolsheim  (c) Heinz D. Schultz

Glas-Ferrit Tonköpfe und Kurzhubtasten

Im Spätherbst entstand der ebenfalls nette Kontakt zu Wolf P. aus Eckental. Wolf war sehr lange bei Grundig in der Fertigung/Entwicklung beschäftigt und verfügt noch heute über ein sehr präzises Wissen um die Entwicklungsphasen der TS1000. Er hat auch die Höhen und Tiefen bei Grundig miterleben dürfen.

Schnell und vermutlich auch mit einem Funkeln in den Augen, hat er mir von der Entwicklung eines Kopfträgers mit Glas-Ferrit Köpfen berichtet.

TS1000 4-Spur Kopfträger mit Matushita Glas-Ferrit Köpfen HPF WT451 von Wolfgang P. aus Eckental  (c) Heinz D. Schultz

Ich konnte das zu Beginn unserer Email Konversation fast nicht glauben, aber die mir zugeschickten Bilder haben mich begeistert. Tatsächlich hat Grundig Kopfträger in der Planung gehabt die mit den verschleißfreien Glas-Ferrit Köpfen der Firma Matushita (Technics/Panasonic) ausgestattet werden sollten. Wolf P. verfügt über so einen Kopfträger.  Sehr präzise eingearbeitet und wie ich vermute auch via der existierenden Entzerrer- und Vormagnetisierung-Elektronik der TS1000, klanglich perfekt abgestimmt.

TS1000 4-Spur Kopfträger mit Matushita Glas-Ferrit Köpfen HPF WT451 von Wolfgang P. aus Eckental  (c) Heinz D. Schultz

Auch die Maschine von Wolf P. hat zur Laufwerksteuerung Kurzhubtasten verbaut. Genau wie bei der Maschine von Eduard G. zu sehen, wollten sich die Konstrukteure von den Sensortasten der Laufwerksteuerung verabschieden. Man wollte der aus meiner Sicht unverständlichen Kritik der HiFi-Journalisten Paroli bieten und hätte wohl in den zukünftigen Serienmaschinen die sehr zuverlässigen Sensortasten zu Grabe getragen

Beide Geschichten haben mich auch etwas bewegt. Der Untergang der Firma Grundig die in den Spitzenzeiten 38.500 Mitarbeiter beschäftigte und das Leben von Max Grundig sind in zwei Artikel aus den Jahren 2010 und 2016 in der Süddeutschen nüchtern zusammengefasst. Autor beider Artikel ist Uwe Ritzer.

Der Untergang eines Patriarchen – Artikel von Uwe Ritzer 17. Mai 2010

Grundig verabschiedet sich aus Nürnberg – Artikel von Uwe Ritzer 11. April 2016

Auf jeden Fall sind die beiden Prototypen oder Werksmuster der TS1000 nicht aus dem 6. Stock von Max Grundig zum Fenster hinausgeworfen worden. Eduard G und Wolf P. sind glückliche Besitzer dieser Entwicklungs-Zeitzeugen. Gerne stelle ich bei den beiden sympathischen Herren den Antrag auf ein Vorkaufsrecht, damit der Erhalt dieser exklusiven Technik dauerhaft gesichert wird.

Wie geht es weiter?

Bestärkt von den vielen positiven Gesprächen und Erlebnissen, werde ich mit TS1000.de und dem Team dahinter, natürlich dran bleiben. Derzeit lassen wir von sehr erfahrenen Handwerkern Ersatzteile für die TS1000 fertigen. Eine neue getönte Plexiglasabdeckung für den VU-Meter- und Zählwerkausschnitt der TS1000 wird hier in Dettingen von Schaufler gefertigt.

Die Andruckrolle nach den Werksvorgaben von Grundig, wird von TGW in Emmendingen – dort werden/wurden auch die Revox/Studer Andruckrollen produziert – mit hochwertigen Sinterbuchsen exklusiv für ts1000.de hergestellt.

Ein Spezial-Andruckrollen-Reiniger von TGW, der das Gummi der Andruckrolle und des Antriebsriemens nicht austrocknet oder den Weichmacher killt, aber Nikotin, Fett, Bandabrieb und sonstigen Schmutz zielgerichtet entfernt, anschließend die Gummioberfläche leicht anraut, ist nun in kleinen Gebinden lieferbar.

Mit diversen Repair-Kits für Netzteile und der Capstan-Elektronik versuchen wir das Sortiment mit selektierten Bauteilen nach den Werksvorgaben von Grundig zu ergänzen. Spezialfette wie das Molykote EM-30L oder das Molykote BG-20 zur Schmierung von Kunststoff/Metall oder Metall/Metall Friktionen ist ja schon lange im Programm meines kleinen Repair-Shops.

Ein altbekanntes Problem der abgebrochenen Regler und Drehknöpfe lösen wir ab Januar / Februar 2019 mit einer handwerklichen Lösung aus eloxiertem Aluminium. Ein kleiner Handwerksbetrieb hier in Dettingen fertigt die Knöpfe und Regler für uns. Wir werden die Regler und Knöpfe als komplettes Kit anbieten und werten somit das Erscheinungsbild der TS1000 wieder auf.

Sonderanfertigungen und Umbauten für die Digitale Welt mit Streaming-Server und Remote-Steuerungen via dem Raspberry Pi, VU-Meter Modifikationen mit LED- und TFT Technik sowie der Einbau von Echtzeitzählwerken werden fortgesetzt.

In diesem Sinne verbleibe ich mit einem herzlichen Dank an alle TS1000 Fans.

Bildrechte Titelbild: Simon Matzinger 185073 unsplash.com
Bildrechte im Blog: Eduard G.,  Wolf P., Heinz D. Schultz 

Ein Nachtrag zur TS1000 – 38 cm/s

Im April 2019 ist die TS1000 – 38 wieder an den Besitzer Eduard G. zurückgeführt worden. Einige kleine Reparaturen, ein neues Zählwerk und eine optische Auffrischung verleihen dem Labormuster neuen Glanz und Würde. 

Das TS1000.DE Team blickt traurig hinterher…….  Aber wir bleiben in freundschaftlichen Kontakt 🙂

TS1000 – Capstan Antrieb | Smoke on the Water

Titelbild von Étienne Beauregard-Riverin
Nach nunmehr 8 Monaten Sendepause fange ich jetzt mal wieder an etwas auf meinem TS1000 Blog zu schreiben. Insider und engste Freunde wissen, dass ich selbst einige Ersatzteil aus Titan – keinen Capstan – bekommen habe und nun die tägliche Strecken-Leistung auf 12km pro Tag halten und stetig ausbauen kann. Mein Hund Johnny ist wieder glücklich.

Da die Tage wieder kürzer werden ist nun der richtige Zeitpunkt angerückt, sich wieder den vielen Grundig TS1000 zu widmen.

In diesem Beitrag möchte das Herz der TS1000 näher beleuchten. Der Capstan-Antrieb ist der elektromechanische Kern der Maschine.

Der Tonwellenmotor der Grundig TS1000 mit Reversebaustein und Kopfträger 437 (c) Heinz D. Schultz

Vorwärts / Rückwärts = Autoreverse

 

Grundig hat den elektronischen Teil des Capstan Antriebs recht solide aufgebaut. Die Motorsteuerung und der Gleichstrom Servo-Motor sind auf einer kleinen Platine fest verankert. Mit der Herausforderung einen Autoreverse-Betrieb zu bieten, haben die Entwickler eine robuste und dennoch einfache Motorregelung implementiert. Kein Quarz oder Unterstützung von Tachogeneratoren wurden verbaut, nein man hat auf Spannungskonstanz gesetzt und das Drehmoment mit Strom nachgesteuert.

Durch die einfache Schaltung hat man erreicht, Temperaturunterschiede weitgehend zu eliminieren. Bei den Revoxen und einigen Japanern war das nicht immer so einfach und Geschwindigkeits-Toleranzen von +/- 5-10% lagen an der Tagesordnung. Je wärmer umso schneller….

Der solide Gleichstrommotor auf der Platine – revidierter Zustand  (c) Heinz D. Schultz
Bevor Ihr beginnt die Motorsteuerung und die Geschwindigkeitsregelung zu revidieren, solltet Ihr Euch eine Bezugsband herstellen. Ich bin bei der Produktion eines Geschwindigkeits-Bezugsbandes recht pragmatisch vorgegangen.

 

Neues Band kaufen!

 

Ein nagelneues RTM Band mit 100m Länge wurde auf einer 18er Spule konfektioniert. Keine Fettfinger oder Schmutz auf dem Band sind Voraussetzung für einen vernünftigen Start. Mit dem konfektionierten Band habe ich dann ein Eingangssignal mit 1000Hz bei 4,75cm/s, 9,25cm/s und 19 cm/s jeweils 5 Minuten aufgenommen. Das habe ich natürlich bei einer exakt eingemessenen TS1000 gemacht.

 

Meine Messbasis (TS1000 Maschine) heißt bei mir „PAUL“.

Bandlängentabelle für das Bezugsband (c) Heinz D. Schultz
Zum Einsatz kommt bei mir ein Funktions-/Ton Generator von UNI-T. Dieser hat auch einen Frequenzähler-Eingang. Über den Eingang können wir dann das Wiedergabesignal der TS1000 messen.
Mein Funktionsgenerator – günstiges Modell von UNI-T  (c) Heinz D. Schultz

Los geht es!

 

TS1000 „Paul“ in den Aufnahme Modus schalten, Geschwindigkeit 4,75 cm/s, Generator 1000Hz bei 0,5 mV Sinus-Signal Ausgangs. DIN Eingang bei „Paul“ auf 0dB aussteuern und 5 Minuten (300 Sekunden) aufzeichnen. Wiederholung für 9,25 cm/s und 19 cm/s. Nun habt Ihr eine sauberes – minimalistisches – Bezugsband zur Justierung der korrekten Bandgeschwindigkeit. Ihr solltet dieses Band hüten wie Euren Augapfel. Im Laufe der Zeit werdet ihr ab und an darauf zurückgreifen müssen. Falls Ihr nicht über ein solches Band verfügt, respektive keine sauber justierte Maschine mehr habt, schreibt mir kurz.

Grubenarbeit – Vorsicht Staub und Schmutz

 

Ich bin ein Freund von effektiven Restaurationen und versuche Kosten/Nutzen in einem Gleichgewicht zu halten. Um einen Motorsteuerung auf Vordermann zu bekommen, solltet ihr Elkos, Tantals und den einen oder anderen Leistungstransistor austauschen vorausgesetzt er weicht von den Nennwerten ab. Die Trimmer auf den Motorsteuerungsplatinen sind zum Großteil hinüber und durch Korrosion und Staubbelag (Nikotin) nicht mehr vernünftig einzupegeln.

Hier die Platine vor der Revision – Trimmer sind hinüber  (c) Heinz D. Schultz

Ran an den Speck.

 

In den beiden Bildern seht ihr eine alte und eine revidierte Motorsteuerungsplatine. Die Tantal-Elkos ersetzte ich fast immer gegen sehr gute selektierte Elkos. Habe auch bis heute nicht verstanden weshalb Grundig zu damaligen Zeiten Tantals verbaut hat. Tantals neigen im Laufe der Zeit zu Mikro-Kurzschlüssen, heilen aber wieder. (Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Tantal-Elektrolytkondensator)

Speziell auf der Motorsteurungsplatine setze ich Elkos die 105º vertragen ein. Die Kühlbleche der Leistungstransistoren heizen sich mit bis zu 45-55 Grad auf, hier wird es also auf kleinem Raum immer sehr warm.

Bei den Trimmern verwende ich gekapselte Bauteile von ACP. Staub und Ablagerungen sind tabu. Die Werte sind 500 Ohm (2x), 1K und 2.5KOhm. Natürlich gehen auch Piher Trimmer.
APC Trimmer – Staubdicht (c) APC Spain

Nach einer gründlichen Reinigung der Platine, geht es an den Zusammenbau. Bevor Ihr aber an den mechanischen Einbau geht, solltet Ihr die Spannungsbandbreite justieren. Hierzu wird der ausgelagerte Transistor (Texas GD204) auf eine Arbeitsspannung von 17 Volt mit dem Trimmer  R29 justiert. Mit dieser Einstellung erhalten die Trimmer R20, R22 und R24 für die jeweiligen Geschindigkeiten ausreichend Regelspielraum.

Platinenlayout des Tonwellen-Motor Bausteins – Blick von der Lötseite – Messpunkte A & B sowie Trimmerpositionen (c) Heinz D. Schultz

Zur Messung stellt die Bandgeschwindigkeit am Frontschalter auf 19cm/s. Die Maschine muss sich im Stop-Modus befinden. Nun wird die Arbeitsspannung zwischen Messpunkt A und B auf 17 Volt eingestellt.

Im nächsten Schritt verbindet Ihr den Capstan-Antrieb mit der großen Antriebs-Metallplatte. Der Leistungstransistor sollte unbedingt mit einer Glimmerunterlage aufgeschraubt werden. Aufschrauben mit entsprechendem Drehmoment „fest“ ist wichtig. Der Bursche hat viel Hitze abzugeben. Wie man den Antriebsriemen effektiv aufsetzt, berichte ich in einem weiteren Blog-Post.

Sind nun Capstan-Antrieb und der mechanische Teil fest verschraubt, geht es an das Einmessen der entsprechenden Geschwindigkeiten. Das Messband einlegen, den DIN Ausgang der TS1000 mit dem Eingang des Frequenzzählers verbinden und mit der Bandgeschwindigkeit 4,75 cm/s starten. Auf dem Frequenzzähler solltet ihr über den Trimmer R22 dann die 1000Hz anstreben. Bei dieser extrem langsamen Geschwindigkeit kann es schon passieren, dass die Frequenz mit einer Toleranz von +/- 10 % springt, sich aber im Mittel bei 1000Hz einpegelt. Keine Sorge! Entscheidend sind die Geschwindigkeiten 9,25 cm/s und 19 cm/s.

Diese sind wichtiger als die „Geheimdienstabhörgeschwindigkeiten“ aus Zeiten des kalten Krieges. Die Geschwindigkeit 9,25 cm/s stellt ihr mit dem Trimmer R24 und die Geschwindigkeit 19 cm/s mit dem Trimmer R22.

Bitte nehmt Euch die Zeit diesen Justierungs-Durchlauf 2 bis 3 mal zu wiederholen.

Autoreverse Baustein – Rauchzeichen aus dem Fürther Lager.

Die Grundig Ingenieure haben es den Japaner immer zeigen wollen und mit der Entwicklung der Autoreverse-Steuerung auch bewiesen, dass eine TS1000 ohne Dual-Capstan in der Lage ist, ein Band in sehr guter Qualität wiederzugeben. Auf der Motorplatine befindet sich ein Steckplatz für die Reverse-Platine.

Diese hat allerding so seine Tücken. Steckt man diesen nicht PIN-konform ein, gibt es böse Rauchsignale auf dem Reversebaustein und der Motorsteuerung.

Markierungen für den  sicheren Aufsteckvorgang. (c) Heinz D. Schultz
Die Transistoren T13 auf der Reverse-Platine und der Transistor T11 auf der Motorplatine sind ins Reich der ewigen Jagdgründe dahingezogen. Ein Austausch der beiden setzt das System in den Urzustand.
Defekter T11 auf der Motorplatine (c) Heinz D. Schultz
Defekter T13 auf der Reverseplatine (c) Heinz D. Schultz
Beim erneuten Aufstecken der Platine solltet ihr unbedingt auf die korrekte Position der Steckerleiste achten.

Ich habe bei meinen durchgeführten Revisionen eine kleine Führungsschiene angebracht. Diese verhindert, dass die Platine falsch aufgesteckt wird.

Führungsschien auf der Tonwellen-Platine (c) Heinz D. Schultz
Das war es auch schon. Eure TS1000 läuft wieder präzise wie aus dem Werk im Jahr 1976.
Copyright des Titelbildes liegt bei Étienne Beauregard-Riverin auf Unsplash