Revision TS1000 – Beispiel an Seriennummer 15272

Revision der Grundig TS1000 aus Ort – Deutschland – Seriennummer 15272

Besitzer:

Name Vorname
Straße und Hhausnummer
Postleitzahl Ort
Bundesland
Land
Telefon: 0176-xyzbdgrr

eMail: ???@??.de

 

Eingeliefert wurde eine optisch gut erhaltene TS1000 aus der Fertigung im Jahr 1976. Die Seriennummer #15272 auf der RĂŒckseite stimmt mit der auf dem Alu-Druckguss-Chassis ĂŒberein.

Die TS1000 wurde in der StandardausfĂŒhrung mit einem 4-Spur KopftrĂ€ger eingeliefert.

Der Einschalttest bei Einlieferung deutet auf einen elektronischen Defekt in der Spannungsversorgung hin.  Die Verschleißteile (Andruckrolle, Antriebsriemen, ZĂ€hlwerkriemen) zeigen sehr deutliche Abnutzungen. Das GehĂ€useinnere ist durchschnittlich, altersbedingt verschmutzt. HauptsĂ€chlich Staub, Spinnweben und Bandabrieb. Der 4-Spur KopftrĂ€ger macht einen guten Eindruck. Der Kopfspiegel ist unter 1,2 mm abgenutzt. 

Auf den Platinen E, G, P und D wurden Bauteile ca. vor 7-10 Jahren getauscht (zu erkennen am Produktionsstempel). 

Das GehĂ€use zeigt rundum LackabschĂŒrfungen, die Gummieinlagen der Chrome-FĂŒĂŸe und die GummifĂŒĂŸe auf der RĂŒckwand haben sich aufgelöst. Die Abdeckhauben-DĂ€mpfer links und rechts fehlen. 

Geplant ist eine A-Revision.

A-Revision

1.) Elektronische Überarbeitung
  • Grundreinigung aller Platinen im Ultraschall mit Tikopur (Entfernt Staub, Nikotin, Magnetpartikel)
  • Austausch aller Elkos, Tantals und Keramik Kondensatoren
  • Austausch defekter oder nicht mehr dem Sollwert entsprechender Halbleiter, IC*s und Induktionen
  • VollstĂ€ndige Überarbeitung des Netzteils
  • VollstĂ€ndige Überarbeitung des Capstan-Antriebs mit Justierung auf die korrekten Bandgeschwindigkeiten mit 3.150Hz Bezugsband und Woelke WOW & FLUTTER Meter.
2.) Mechanische Überarbeitung
  • Ultraschall-Reinigung aller Friktionen und Umlenkungen
  • Entfernen aller alten Schmierungen in Schaltern und Brems-Relais
  • ÜberprĂŒfung der Sollwerte Band-Zug, Justage
  • ÜberprĂŒfung ggf. Tausch der Kugellager bei den Wickelmotoren
  • Reinigung der Umlenkrollen-Lager
  • Schmierung gemĂ€ĂŸ den Werksvorgaben
  • Neue Andruckrolle
  • Neuer Antriebsriemen
  • Neuer ZĂ€hlwerkriemen
  • Austausch der VU Beleuchtung gegen LEDs geschliffene Linse in purewhite mit 6000Kelvin bei 10.000mCd 
  • Einbau des Bordspannungstesters DC-Meter auf der Serviceplatine
  • Neue Gummieinlagen fĂŒr die Chrome-FĂŒĂŸe
  • Neue GehĂ€usefĂŒĂŸe aus Gummi mit Schaleneinlage
  • Neue Gummi-DĂ€mpfer fĂŒr die Abdeckhaube links/rechts
  • Frontverschraubung auf brĂŒnierte Edelstahlschrauben TORX umrĂŒsten
  • RĂŒckwandverschraubung auf TORX Edelstahl umrĂŒsten.
3.) Einmessung
  • Einmessen der TS1000 auf das Bandmaterial RTM  LPR 35 / SM911 und SM900
4.) Garantie
  • 6 Monate auf die neu verbauten elektronischen Bauteile und den Capstan- und ZĂ€hlwerk-Riemen
  • 36 Monate auf die Andruckrolle 

Die TS1000 #15272  im Einlieferungszustand

Platinen der #15272 im Einlieferungszustand

Ultraschall-Reinigung

Der Video-Clip veranschaulicht die sorgfĂ€ltige Reinigung der TS1000 Platinen mit Ultraschall und Tickopur RW77. Weitere Informationen zum Ultraschallverfahren sind hier zu finden. Link zum Blogbeitrag „Waschsalon“

Mechanik & Friktionen im Einlieferungszustand

Mechanik & Friktionen nach Ultraschall

Platinen nach Ultraschall und NeubestĂŒckung

Impression zur #15272

Übergabe-Impression zur #15272

Impression zur #15272 – Bezugsband-Wiedergabe

Eingesetzte Schmierfette und Öle

Bei der Restauration der Friktionen und mechanischen Bauteile werden Schmierstoffe verwendet, die den ursprĂŒnglichen Spezifikationen der Firma Grundig entspechen. 

 

Zum Einsatz bei Metall Kunststoff Friktionen....

...... wird das Dow Corning Produkt Molykote EM-30L eingesetzt. Als Friktionen bezeichnet man die Schalter- und Hebelmechanik. Bei der TS-1000 werden Schiebeschalter die auf den Einsteckplatinen verlötet sind, durch mechanische Umlenkungen bedient. Diese Friktionen sind ursprĂŒnglich mit BEACON 40 (heute Ă€hnlich dem BEACON EP1 von ESSO). Um den zum Teil ausgehĂ€rten Friktionen, ZahnrĂ€dern und SchiebeflĂ€chen keinen Schaden zuzufĂŒgen, wird das moderne und werkstofferhaltende Molykote eingesetzt. Das weiße Fett hat eine hohe konservierende Wirkung, eine solide Anhaftung und ist antistatisch. Dadurch wird ein Verschmutzen der Schmierstellen verhindert. Die Schmierung ist daueranhaftend.

Beschreibung: Hochleistungsfett fĂŒr langsame bis mittlere Geschwindigkeiten von Kunststoff/Kunststoff, Kunststoff/Metall und Gummi/Metall- Paarungen bei mittleren bis hohen Lasten.

Anwendungen: FĂŒr Schmierstellen, die mittleren bis schweren Lasten bei geringen bis mittleren Geschwindigkeiten ausgesetzt sind.

Merkmale: Blei- und Nickelfrei; Hohes Lasttragevermögen; Geeignet fĂŒr Langzeitschmierung aufgrund geringer Ölverdunstung und geringer Neigung zur Oxidation; Geringer Reibungskoeffizient; Mit den meisten Kunststoffen und Elastomeren vertrĂ€glich.

Zusammensetzung: Polyalphaolefin; Lithiumseife; Festschmierstoffe, Gebrauchstemperaturbereich – Von -45°C bis +150°C

 

 

Zum Einsatz bei Metall/Metall Paarungen ....

...... wird das Dow Corning Produkt Molykote BG-20 eingesetzt. Die Lagerschale der Capstan Schwungmasse wird mit diesem Hochleistungsfett ausgestattet.

Beschreibung: Das BG-20 ist ein Hochleistungsfett fĂŒr Metall/Metall- Paarungen bei hohen Geschwindigkeiten und mittleren bis hohen Lasten. Es ist geeignet fĂŒr Schmierstellen bei mittleren bis hohen Lasten und hohen Drehzahlen. 

Merkmale: Blei- und Nickelfrei; Hohes Lasttragevermögen; Geeignet fĂŒr Langzeitschmierung aufgrund geringer Ölverdunstung und geringer Neigung zur Oxidation; Weiter Gebrauchstemperaturbereich; Geeignet fĂŒr sehr hohe Drehzahlen (DN-Wert 750.000 mm/min).

Zusammensetzung: Esteröl; Lithium-Komplexverdicker; EW/AR-Additive; Oxidationsinhibitoren. Gebrauchstemperaturbereich – Von -45°C bis +180°C

 

Zum Einsatz bei Zugfedern ....

...... wird das MANNOL Produkt EP-2 Multi-MoS2 Grease eingesetzt. Die Zugfedern der TS1000 sind aus hochwertigem Stahl gefertigt. Das EP-2 wird sehr dĂŒnn auf die Federn aufgetragen und verhindert Korrossion und Vibration. Die GerĂ€uschentwicklung der Maschine wird dadurch reduziert.  

Beschreibung und Zusammensetzung: Universal-Hochdrucklithiumfett auf Grundlage von hochreinen Mineralölen, ergÀnzt durch MolybdÀndisulfid und andere EP-Additive (EP = Extreme Pressure).

Merkmale: Betriebstemperaturbereich: von -30 °C bis +120 °C. Geeignet fĂŒr die Wartung von WĂ€lz- und Gleitlagern, KreuzstĂŒcken von Kardanwellen, Fahrgestellen und anderen Reibknoten, die hohen Belastungen ausgesetzt sind. 

 

Zum Einsatz bei BandfĂŒhrungs-Rollen ....

...... wird das Costenoble Produkt OSIXOŸ OS 05 eingesetzt. 

Beschreibung: OSIXOÂź OS 05 ist ein sehr hochwertiges, synthetisches Spezial-Beschichtungsfluid auf Basis von KRYTOXℱ fĂŒr viele Materialien bzw. Materialpaarungen (metallische OberflĂ€chen, Kunststoffe und Elastomere).

Merkmale: Es werden sehr dĂŒnne funktionale Filmschichtdicken (5-10 ”m) erzielt und durch die spezielle Formulierung ist es gut sprĂŒhfĂ€hig.
OSIXOÂź OS 05 löst grundlegende Stick-Slip-Probleme und ist multifunktional in seinem Einsatz. Durch seine Geruch- und Farblosigkeit unterliegt es keinen optischen oder haptischen EinschrĂ€nkungen. OSIXOÂź OS 05 gewĂ€hrleistet eine extrem reibungs- und verschleißarme OberflĂ€che und erhöht damit die allgemeinen Gleiteigenschaften. Das Produkt lĂ€sst sich auf eine Vielzahl von OberflĂ€chen auftragen und zeichnet sich besonders durch seinen niedrigen Reibungskoeffizienten und seine ausgezeichnete Ablösungs- und Anti-Haft-Eigenschaft aus.

Anwendung:
OSIXOŸ OS 05 sollte auf sauberen, trockenen und fettfreien OberflÀchen aufgetragen werden. Ist die Beschichtung einmal aufgetragen, so ist sie gegen die meisten Lösungsmittel resistent. Eine Entfernung ist nur mit Hilfe von speziellen Lösungsmitteln möglich.

 

Zum Einsatz auf elektrischen Kontakten ....

...... wird das Produkt FEREXelectricŸ eingesetzt. 

Beschreibung: FEREXelectricÂź ist ein auf der Basis des bewĂ€hrten Ferex Rapidrostlockerers formulierter Kontaktschutz, der speziell zur Reinigung, Pflege, Reparatur und Entfeuchtung elektrischer Kontakten entwickelt wurde. Das hochwertige Ferex electric beseitigt rasch und zuverlĂ€ssig durch Staub- sowie Öl-, Fett oder Wassereinwirkung entstandene Spannungsverluste.

Merkmale: DarĂŒber hinaus entfernt FEREXelectric Oxyd und Sulfid-Schichten von den Kontakten und ist in der Lage, die FunktionsfĂ€higkeit der
behandelten Teile wiederherzustellen. Selbst nĂ€ssebedingte Kontaktprobleme wie feuchte ZĂŒndverteiler und ZĂŒndkerzen behebt
FEREXelectric effektiv. Nach der Behandlung der Kontakte verdunstet FEREXelectric restlos und hinterlĂ€sst einen nicht sichtbaren und hochwirksamen Gleitschutzfilm der das Material effektiv und nachhaltig vor Korrosion schützt. Diese Effizienz zusammen mit einer einfachen, sicheren und sauberen Handhabung machen FEREXelectric zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel bei der Wartung, Instandsetzung oder Reparatur von elektrischen Kontakten. Der Anwendungsbereich von FEREXelectric ist nahezu unbegrenzt. Es reicht von den elektrischen Anlagen in Kraftfahrzeugen, Baumaschinen und Schiffen ĂŒber Anwendungen in HiFi- und HaushaltsgerĂ€ten bis hin zum Einsatz in industriellen Großanlagen.

Anwendung:
FEREXelectricÂź sollte auf sauberen, trockenen und fettfreien OberflĂ€chen aufgetragen werden. Ist Ferex einmal aufgetragen, so sind die Kontakte lange Zeit vor Korrosion geschĂŒtzt und bieten höchste Kontaktsicherheit.

Abschlussbericht – 15272

Die TS1000 #15272 wurde in der A-Revision auf den Werkszustand 1976 gebracht. Nach Zerlegung der anfĂ€lligen Friktionen, wurde eine Schmierung mit modernen Fetten und Ölen vorgenommen.

Die Platinen sind nach dem Ultraschallbad elektronisch geprĂŒft worden. Alle Elkos, Tantals, einige Kondensatoren, alle Trimmer wurden ersetzt. Das Netzteil wurde vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitet und mit einem neuen Spannungsregler-IC versehen. Die DC-Meter Anzeige fĂŒr die Bordspannungen 26V-5V-30V wurde auf der Serviceplatine verbaut.

Die Bordspannungen können je nach Betriebszustand variieren:

  • 26V darf in einem Toleranzbereich von 26-28,4 Volt arbeiten.
  • 5 V darf in einem Toleranzbereich von 5.00-5.18 Volt arbeiten.
  • 30 V darf in einem Toleranzbereich von 30-31,5 Volt arbeiten.

Die Bandmaschine wurde nach dem Zusammenbau im Bandlaufbereich vollstÀndig entmagnetisiert, der KopftrÀger mit einem Spezialreinigungsmittel vollstÀndig von Bandabriebspartikeln gereinigt. Die Vormagentisierungsspannung im KopftrÀger ist justiert. Der Capstanantrieb wurde auf Basis des 3150HZ Referenzbandes auf die genauen Geschwindigkeiten justiert. Alle Kontakte wurden gereinigt und konserviert.

In der TS1000 wurde das LED Beleuchtungskit fĂŒr die VU-Meter verbaut. Die Lichtfarbe ist „Purewhite 6000Kelvin“ und korrespondiert mit der LED Farbe des ggf. spĂ€ter nachrĂŒstbaren elektronischen ZĂ€hlwerkes.

Die VU Meter Umschaltung Vor- und Hinterband wurde integriert.

In der AbnahmeprĂŒfung wurde am KĂŒhlkörper Alugussfraß festgestellt. Der KĂŒhlkörper wurde mit FEREX gereinigt, entlackt und die befallenen Stellen wurden ausgeschliffen. Der KĂŒhlkörper wurde anschliessend mit NIGRIN grundiert und mit einem Speziallack fĂŒr Aluminium OberflĂ€chen in der original mattschwarzen Farbe lackiert. 

 

 

Einmessung

Eingemessen wurde die Maschine auf das Studio-Referenzband SM900 von RTM (Recording the Masters) aus der Produktion 2019. Mit dieser Einstellung ist die Maschine mit den Bandtypen SM900, SM911, SM468, LPR90 und LPR 35 zu 100% kompatibel.

Das Abspielen der alten Bandmaterialien wie

  • Maxell UD
  • Maxell XL I 
  • Maxell XL II EE (Maschine muss fĂŒr höhere Vormagenetisierung ausgerĂŒstet sein)
  • TDK AUDUA
  • TDK LX
  • TDK SA EE (Maschine muss fĂŒr höhere Vormagenetisierung ausgerĂŒstet sein)
  • AMPEX 456
  • BASF & EMTEC (identisch mit den RTM Spezifikationen)

ist ebenfalls möglich.

48 Stunden Abschlußtest

Nach der Justage wurde die Maschine im 48 Stunden Dauerbetrieb getestet und im Nachgang mit einer WĂ€rmebildkamera auf eventuelle Störungen (Erhitzung) der Elektronik und Mechanik ĂŒberprĂŒft.

Die Maschine befindet sich in einem tadellosen Übergabe-Zustand.

 

17.11.2019

ROLAND MEYER fĂŒr TS1000.DE

Zeitnachweise

Die Restauration einer Bandmaschiene erfordert Sorgfalt, Umsicht und Ausdauer. Die DurchfĂŒhrung erfolgt von erfahrenen Rundfunk- & Fernsehtechnikern (im Ruhestand) deren Arbeitsschwerpunkt die analoge Audio- und Magentbandtechnik war und ist.

POSBeschreibungZeitaufwand in Stunden
01Sichtung der Maschine auf mechanische SchÀden

0,5 h

02Zerlegen der Mechanik, Ausbau der Friktionen und Antriebsmotoren inkl. Capstan Grundplatte

2,0 h

03Ausbau der Elektronik, Netzteil, Steckplatinen

0,5 h

04Reinigung der Friktionen im Ultraschallbad

1,0 h

05Zusammenstellung der zu ersetzenden Bauteile

1,0 h

06Kommissionierung der Ersatzteile einschließlich Nachbestellung fehlender Komponenten

0,5 h

07Entlöten aller KapazitÀten Elkos, Tantals.

2,0 h

08Einlöten der passiven Bauelemente

3,0 h

09EinzelprĂŒfung der elektrischen Werte anhand des Grundig-Servicemanuals 1976

4,0 h

10Aus- & Einbau der neuen Andruckrolle, des Antriebs- und ZĂ€hlwerk-Riemen

1,0 h

11Schmierung der Friktionen, Federn und Andruckrollen-Lager

0,5 h

12Zusammenbau der mechanischen und elektronischen Komponenten.

2,0 h

13Modifizierung der Aufnahme-Platine fĂŒr VU-Anzeige auf Vor/Hinterband

6,0 h

14Justage der Geschwindigkeiten mit Bezugsband

0,5 h

15Umbau LED VU Meter Beleuchtung

0,5 h

16Justage der Aufnahme- und Wiedergabe-Pegel

1,5 h

17Finales Einmessen auf Wunschband des Kunden

0,5 h

1848 Stunden Dauerbetrieb, Aufnahme und Wiedergabe

0,5 h

19Entfernung Alugussfrass auf dem KĂŒhlkörper inkl. Lackierung mit wĂ€rmeresistentem Lack

2,0h

20AbnahmeprĂŒfung

1,0 h

Gesamtaufwand

30,5h

 

Materialkosten

Bei der Restauration werden nur Bauteile, Schmierstoffe und Komponenten eingesetzt, die den ursprĂŒnglichen Werksvorgaben entsprechen. Passive und aktive Bauelemente stammen  von nahmhaften Herstellern, die Andruckrolle aus eigener Fertigung.

POSBeschreibungMaterialkosten
01Andruckrolle neu (2019er Fertigung)

39,00 €

02Capstan- und ZĂ€hlwerkriemen

14,00 €

03Passive Bauelemente (Elkos, Tantals, Keramik Kondensatoren)

78,00 €

04Aktive Bauelemente (vorwiegend Netzteil und Wiedergabe & Aufnahme Platinen)

38,00 €

05WĂ€rmeleitpaste

02,00 €

06Molykote EM-30L

12,00 €

07Molykote BG-20

06,00 €

08MANNOL EP2

03,00 €

09OSIXOS OS5

09,00 €

10Schrauben & Kleinteile

06,50 €

11LED-Kit Purewhite 6000K

32,80 €

11VU-Meter Vor-/Hinterband Erweiterung

0,00 €

Gesamtaufwand

240,30 €

 

TS1000 – Das ElektrizitĂ€tswerk | Netzteil

TS1000 - Offenes Herz

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich angekĂŒndigt, mich der Instandsetzung der Mechanik zu widmen. Das muss bis zum Wochenende warten, denn es fehlen noch Spezialwerkzeuge und Schmierstoffe.

Heute möchte ich mich aber mit dem Ausgangspunkt zur weiteren elektronischen Aufbereitung beschĂ€ftigen, nĂ€mlich dem TS1000 Netzteil. Bereits im ersten Blogbeitrag erwĂ€hnt, ist das Netzteil der Start fĂŒr weitere ÜberprĂŒfungen der TS1000 Elektronik.

Das Netzteil ist das Herz der Maschine.

Auf der Platine ist auch die Elektronik fĂŒr die Ansteuerung der beiden Wickelmotoren untergebracht. Die Optokoppler fĂŒr den Bandzug liefern ihre Informationen hier hinein und die Ansteuerung der Anzugskraft der der beiden Papst-AußenlĂ€ufer wird von hier aus geregelt.

Ein typischer Netzteilfehler ist daran zu erkennen, wenn nach dem Einschalten der Maschine die Wickelmotoren in entgegengesetzter Richtung loslaufen, die Instrumentenbeleuchtung nicht funktioniert und die Sensortasten nicht reagieren.

In fast allen TS1000 auf meinem OP-Tisch sind nur wenige Bauteile daran Schuld, diesen Fehler auszulösen. Ich habe mir im Laufe der Zeit eine Controller-Platine gebaut, die die 3 wichtigen Versorgungsspannungen  der TS1000 auf einen Blick kontrolliert.

TS1000 – Adapterplatine im Schaltplan (c) Heinz D. Schultz

Die Betriebsspannungen der TS1000 sind:

  • 26,5 Volt
  • 30 Volt
  • 5 Volt

Die Grundig Ingenieure haben sich damals sehr viele Gedanken zum Service gemacht. Nicht umsonst gibt es eine Adapter-Platine die sich ideal dazu eignet eine kleine Diagnose-Platine daraus zu machen ohne die FunktionalitÀt einzuschrÀnken.

In den Schaltungsunterlagen ist diese Adapterplatine gut beschrieben. Auf dieser Platine sind nun die 3 Voltmeter untergebracht.

TS1000 – Adapterplatine mit 3 Voltmeter – hier die richtige Versorgungsspannungen bei einer bereits restaurierten Maschine – hier auch mit Dolby Platinen (c) Heinz D. Schultz

Bei der Berliner TS1000 sieht die Welt der Elektronen jedoch etwas armseeliger aus. Die 5 Volt Versorgungspannung existiert nicht, die Arbeitsspannungen 26,5 Volt und 30 Volt sind nicht korrekt.

TS1000 – In der Maschine auf dem OP-Tisch exitsiert die 5 Volt Versorgung nicht. Anstatt 30 Volt gibt es hier nur 23,8 Volt, die 25.9 Volt werden auch nicht sauber als 26.5 Volt geliefert. (c) Heinz D. Schultz

Der beschriebene Fehler wurde auch schon vor einiger Zeit von Christian aufgegriffen. Auf Seiner Website makarateyp.magnetofon.de beschreibt er den bekannten Netzteilfehler sehr schön. Ich habe mir erlaubt sein Bild hier zu verwenden und seine Diagnose zu zitieren.

„Die Ursache habe ich hier mit Pfeilen markiert
 Der Spannungsregler fĂŒr 24V und ein kleiner 4,7 mikrofarad Tantal können die Ursache fĂŒr einen großen Fehler sein
 Hinzu kommt, dass eine Zenerdiode (kommt drauf an ob eine in der Schaltung verbaut wurde) ein Aufbauen der Spannung von 30V verhindert
 so ist diese auch zu tauschen
 “ (c) Christian

Grundig hat im Laufe der TS1000 Evolution mehrere Versionen der Elektronik verbaut. Im Netzteil der TS1000 aus Berlin wurde z.B. die Zenerdiode auf D21 (ZPD 6.2) eingesetzt. In anderen Maschinen ist dort ein Widerstand verlötet. In meinem Schaltplan gibt es keine D21 auf der Netzteilplatine. Also immer Sichtung der Bauteile vornehmen.

 Ein kleiner Hinweis noch! Um das reparierte Netzteil nicht sofort wieder durch einen Folgefehler zu zerstören, entnehme ich die Audio-Steckkarten der TS1000. Die Motorsteuerung und Logik bleiben gesteckt. So arbeite ich mich systematisch vom Netzteil ĂŒber die Motorsteuerung in den Audiobereich vor.

 Bei meinem ersten Funktionstest habe ich aber starke GerĂ€usche aus dem rechten Wicklemotor gehört. Dann werde ich die Lager der Papst Motoren doch noch sichten mĂŒssen.  Das ist dann am Wochenende dran, vorausgesetzt ich bin nach dem Braukurs in Landshut dazu noch in der Lage 🙂

 

Bildrechte des Titelbildes liegen bei  Aaron Burdon  auf Unsplash

TS1000 – Im Waschsalon

TS1000 im Waschsalon

Wie bereits in meinem letzten Blogbeitrag angekĂŒndigt, beginne ich heute mit der ersten Grundreinigung der Grundig TS1000 im Waschsalon. Nach langer Recherche und Interviews mit „Alten Hasen“ habe ich mich fĂŒr den Lösungsansatz von „Pitti“ – dem alten Kollegen von Uwe Beis – entschieden. Die Grundreinigung der Elektronik wird mit Ultraschall und einer speziellen Tinktur vorgenommen.

Viele Tonbandfreunde werden mich fĂŒr verrĂŒckt halten, das stört mich nicht. Wasser an Platinen? Der frĂŒhe Tod der Schaltung und Bauteile?

Heinz D. Schultz

Nicht verrĂŒckt, wenn man bestimmte Regeln befolgt.

Folgendes Setup ist nötig um bestĂŒckte Platinen grĂŒndlich zu reinigen und anschließend elektronisch fit zu bekommen:

  • Anschaffung eines Ultraschallreinigers mit Heizung und Zeitschaltuhr und mind. 3 Liter Fassungsvermögen. Einlegekorb und Deckel sind sehr wichtig.
  • Platinen Reiniger TICKOPUR RW77 als Konzentrat. Bei normaler Verschmutzung 5% von 2,7 Liter FĂŒllvermögen des Ultraschallreinigers. Das sind ca. 135mL RW77. Normales Leitungswasser einsetzen! Messbecher (150ml, zur exakten Einhaltung des Konzentrat VerhĂ€ltnisses ist wichtig.
  • Gummihandschuhe und Augenschutz, Arbeitskittel
  • Zur SpĂŒlung nach dem Ultraschallbad ca. 5 Liter VE-Wasser. (Demineralisiertes Wasser)
  • Trockenschrank oder Heißluft Fön zur Trocknung und vollstĂ€ndigen Feuchtigkeitsentfernung.

UltraschallgerÀt 3L, Tickopur RW77, Messbecher, Einlegekorb und Deckel (c) Heinz D. Schultz

 

Und los geht es!

Zur Vorbereitung des Ultraschall-Bades habe ich Wasser mit Wasserkocher auf ca. 60 Grad erhitzt. Ich gebe ca. 2.7 Liter Leitungswasser aus dem Wasserkocher bis zur Wannenmarkierung in den Ultraschallreiniger und setze die Ist-Temperatur des Bades auf 60 Grad. Heizung sofort einschalten. NatĂŒrlich hĂ€tte ich auch das Wasser vom Ultraschallreinger aufheizen lassen können, mit dem Wasserkocher geht es jedoch viel effizienter, denn die Heizung im GerĂ€t hat nur 140 Watt und die ErwĂ€rmung auf 60 Grad hĂ€tte ne Stunde gebraucht.   Um das Wasser zu entgasen, lasse ich den Ultraschallreiniger 5 Minuten ohne Einlegekorb und Elektronik mit geöffnetem Deckel laufen.

Handschuhe und Augenschutz!

Das Konzentrat TICKOPUR RW77 stammt von der Berliner Chemie-Manufaktur Dr. H. Stamm und wird ĂŒber diverse GroßhĂ€ndler in grĂ¶ĂŸeren Gebinden angeboten. Zu beachten sind dabei die Sicherheitsvorschriften und das Sicherheitsdatenblatt. Ich hatte frĂŒher im Fach Chemie durch Unwissen geglĂ€nzt und mich im Bereich einer „Langzeit Dunkelrote FĂŒnf“ bewegt, dafĂŒr aber bis zum Abitur in Physik und Mathematik ĂŒber Jahre mit einer 1.0 geglĂ€nzt.

Seltsamerweise hat mich das Thema Ultraschall so fasziniert, dass ich mich in die Anwendung der Tinkturen und Konzentrate wieder intensiv mit der Chemie auseinandergesetzt habe. Nicht zuletzt wegen des Selbstschutzes.

Die TS1000 Entzerrerplatine liegt im Ultraschallbad (c) Heinz D. Schultz

Ich setzte zum AbfĂŒllen immer eine Schutzbrille auf und trage einen alten Kittel. Sehe aus wie mein alter Chemielehrer Haydn. Gummihandschuhe sind obligatorisch. Tickopur enthĂ€lt Ammoniak und riecht streng und stechend. Eine Anwendung im Freien ist deshalb dringend anzuraten. Eine Anwendung in geschlossenen RĂ€umen ein absolutes NO-GO!

Das TICKOPUR Konzentrat – 135 ml – kommt nun in das Ultraschallbad. Es vermischt sich sofort mit dem entgasten Wasser. Nun werden zwei bis drei TS1000 Platinen in den Einlegekorb gegeben und dieser wird in das UltraschallgerĂ€t gelegt. Deckel drauf und ca. 8 Minuten Ultraschall behandeln.

Von Links nach rechts: (Klicke auf ein Bild um es zu vergrĂ¶ĂŸern) 1.Die Platinen vor der Reinigung.  2. TS1000 Platine im 60Grad Ultraschallbad.  3. Es brodelt ganz schön!  4. Ganz schön dreckige BrĂŒhe. (c) Heinz D. Schultz

SpĂŒlen und Trocknen

Nach Ablauf der 8 Minuten nehme ich den Einlegekorb mit den Platinen heraus und spĂŒle alles in einem Baumarkteimer (10 Liter Fassungsvermögen mit ca. 5 Liter VE Wasser) grĂŒndlich ab. Die Platinen werden zum Abtropfen abgelegt. In der Zwischenzeit lege ich 3 weitere Platinen in das Ultraschallbad und starte den Reinigungsprozess fĂŒr weitere 8 Minuten. Mit insgesamt 6 Platinen in 2 DurchlĂ€ufen ist die LeistungsfĂ€higkeit des Reinigungskonzentrates erschöpft. Die brĂ€unliche FĂ€rbung im Ultraschallbad zeugt von starker Verunreinigung durch Staub, Fett, Bandabrieb und ggf. Nikotin.   Die abgetropften Platinen föhne ich nun mit meinem Industriefön aus ca. 30 cm Abstand staubtrocken. Mit meinem Pressluft-Kompressor werden die Steckverbinder (Steckerleisten) und Schalter ausgeblasen. Fertig!

(Klicke auf ein Bild um es zu vergrĂ¶ĂŸern) Die Platinen nach dem Ultraschallbad und dem Föhnen!

Wie man auf den Bildern erkennen kann, sind die Platinen optisch in fast neuwertigen Zustand. Fettreste in der Mechanik werden fast vollstÀndig entfernt. HartnÀckige Verklumpungen sollte man im Nachgang mit einem WattestÀbchen und einem Tickopur Tropfen lösen.

The Day after!

Heute behandle ich die Steckkontakte und Schalter mit einer Kontaktkonservierung. Das Wasser ist vollstĂ€ndig verschwunden, rate aber dennoch mindestens 48 Stunden mit der weiteren elektronischen Bearbeitung zu warten. Schon wenig Restfeuchtigkeit in den Trimmern und Induktionen könnte zu falschen Messergebnissen fĂŒhren. Zur Schmierung und Langzeitkonservierung der Steckkontakte und Schiebschalter verwende ich ausschließlich Electrolube CG60. Mit einer feinen Spritze werden die Kontakte hauchdĂŒnn eingefettet. Ich möchte noch in Erinnerung rufen, dass die Widerstandsbahnen der Trimmer und Potis durch den Einsatz der Ultraschallreinigung in Mitleidenschaft gezogen werden. Der dĂŒnne Schutzfilm wird abgetragen und unverhofft könnte der Trimmer ausfallen. Deshalb messe ich den Stellwert des Trimmers vor der Reinigung durch, ersetze den Trimmer, bringen diesen auf den annĂ€hrend gleichen Stellwert und habe somit eine vernĂŒnftige Ausgangsbasis fĂŒr die elektronische Aufarbeitung. Eine vollstĂ€ndige Einmessung der TS1000 ist sowieso obligatorisch.

Inventar, Equipment und Wunschliste

Nach mehreren Restaurationen hege ich nun den Wunsch mir einen grĂ¶ĂŸeren Ultraschallreiniger anzulegen. Die Firma Bandelin in Berlin hat sich seit 1955 auf die Produktion von UltraschallgerĂ€ten im professionellen Bereich spezialisiert. Die GerĂ€teserie SONOREX mit einer Ultraschall-Leistung von bis zu 1200 Watt hat es mir angetan.   Bandelin ist auch eine ideale und seriöse Informationsquelle fĂŒr den Einstieg in de Ultraschallreinigung. Hier gibt es eine gute Einstiegsseite.

Leider sind die GerĂ€te sehr teuer aber dafĂŒr hochwertig, langlebig, leistungsfĂ€hig, sicher und was mir sehr wichtig ist: „Made in Germany“!   Ein kleiner Video-Clip von Bandelin hat mich ĂŒberzeugt. Die Tinkturen wie TICKOPUR RW77 und TICKOPUR TR14 sind nicht billig und zudem in großen Gebinden abzunehmen. Hierzu lasse ich mir aber noch etwas einfallen.

Das Trocknen mit dem Fön ist sehr effizient, aber ich möchte das Föhnen lieber dem weiblichen Geschlecht an deren Haarpracht ĂŒberlassen. Also wird demnĂ€chst ein DörrgerĂ€t (richtig gelesen: Dörrobst-Maschine) oder ein kleiner Trockenschrank angeschafft. Vielleicht gebraucht und aus einer medizintechnischen Einrichtung.

Mister Mechanic

Im nÀchsten Blogbeitrag werde ich einige mechanische Komponenten der TS1000 reinigen und mit Spezialfetten behandeln.

Dran bleiben!

Bildrechte des Titelbildes: (c) Averie Woodard on Unsplash

Bildrechte der Damen im Haarsalon:  (c) The Atlantic

Bildrechte von dem Ultraschall-Prozess und den Platinen: (c) ich selber.

TS1000 – Es geschehen noch Zeichen und Wunder

Zeichen und Wunder - TS1000

In meinem ersten Blogbeitrag zur TS1000 Restauration habe ich ja die „matching numbers“ der Maschine kritisiert. Ich hatte aus meiner Erfahrung heraus berichtet, daß viele Maschinen im Internet aus zusammengewĂŒrfelten Komponenten gebraucht und angeblich funktionstĂŒchtig angeboten werden.

Mein Freund in Berlin hat sich just nach dem ersten Blogbeitrag von mir, mit dem VerkĂ€ufer in Verbindung gesetzt und ihm den Link zum Blog geschickt. Wohl getrieben vom schlechten Gewissen hat dieser dann die richtige RĂŒckwand und 2 Platinen und eine Flasche Wein auf den Postweg gebracht. Die Entschuldigung wurde aktzeptiert und jetzt sind die Komponenten wieder vereint.

 

Non, je ne regrette rien

Um diesem Kaufrisiko vorzubeugen, empfehle ich immer wieder, diese Seriennummern zu ĂŒberprĂŒfen. Lasst Euch ein Foto vom Inneren der Maschine, der RĂŒckwand und ggf. der uralten Garantiekarte zusenden. Erst dann  kann man sichergehen, daß wie bei der TS1000, die Platinen-Versionen auch zusammenpassen und die elektronischen Komponenten harmonieren. Wenn alles stimmt könnt Ihr das Liedchen von Edit Piaf „Non, je ne regrette rien“ trĂ€llern.

Die Platinen der TS1000 verfĂŒgen ĂŒber Revisionsnummern. Wenn möglich sollte die .02 auch auf den anderen Platinen zu finden sein. (c) Heinz D. Schultz

Matching Numbers – Was heißt das?

Der Begriff “matching numbers” wird im Zusammenhang mit Oldtimern verwendet. Er bedeutet, dass das Automobil mit demselben Motor oder Getriebe ausgerĂŒstet ist, mit dem es vor Jahrzehnten vom Band lief. Unsere Grundig TS1000 ist ja auch ein Oldtimer aber kein Auto.

Aus meiner Erfahrung heraus, werden TonbandgerĂ€te aus Deutscher Fertigung immer beliebter. Als ich den Blog hier angefangen habe, ahnte ich nicht auf welche Ressonanz er stĂ¶ĂŸt. Inzwischen hĂ€ufen sich die Anfragen zur Restauration aus dem In- und Ausland im zweistelligen Bereich. Ich wusste nicht, daß z.B. Italien eines der begehrtesten KĂ€uferlĂ€nder der Grundig Maschinen war. Gleichzeitig möchte ich mich auch dafĂŒr entschuldigen, nicht jede Anfrage die in der ersten Zeile der Email mit „Was kostet das?“, „Quanto costa?“, „What does it cost?“, „Qu’est-ce que ça coĂ»te?“ oder  „ÂżCuĂĄnto cuesta?“ beginnt, sofort beantworte.

Eine grundlegende Restauration mit Austausch alterschwacher mechanischer und elektronischer Bauteile kostet sehr viel Zeit, Geduld, Konzentration und PrĂ€zisionsarbeit. Demzufolge schnellen die Arbeitsstunden in den Bereich von 25h bis weit ĂŒber 150h. DafĂŒr ist die Maschine im Werkszustand und lĂ€uft die nĂ€chsten 25 Jahre durch.

Aufwendige Reparaturen und Restaurationen kann man teilweise einsparen, wenn man eben die „matching numbers“ prĂŒft. Das ist natĂŒrlich keine Garantie fĂŒr die Funktion, aber fĂŒr Harmonie der Komponenten die in FĂŒrth im Werk von Grundig verbaut wurden. 

Die richtige RĂŒckwand ist gekommen! (c) Heinz D. Schultz

Die Moral von der Geschichte!

PrĂŒfe wer sich ewig bindet. Ich gehöre nicht zu den sammelwĂŒtigen Krabbenfischern im Nordatlantik oder irgendeiner Bucht.

„FĂŒr mich haben Bandmaschinen Seelen. Ich kann mich an die vielen NĂ€chte in meiner Jugend erinnern. Traurig, freudig, verliebt, zu Tode betrĂŒbt.“

Alles hat sich meine Bandmaschine und mein Plattenspieler anhören mĂŒssen. Selbst wenn ich heute noch ein altes Band von 1980ff aus meinem Schallarchiv hole, die staub- und luftdichte Verpackung öffne und mir der Geruch von RĂ€ucherstĂ€bchen oder sonstigen Rauch-, Whiskey-, Damen-DĂŒften entgegenkommt, ja dann kommt auch die Erinnerung an diese schöne Epoche zurĂŒck. Nostalgie oh Nostalgie 🙂

Bleibt dran! In der nĂ€chsten Woche nehmen die Platinen ein erstes „lautstarkes“ Bad.

 

Bildrechte des Titelbildes: Kristopher Roller

 

 

TS1000 – 22 Kilogramm Wertarbeit

Wie in meinem ersten Blogbeitrag angekĂŒndigt, geht es nun mit der Berliner TS1000 ins Eingemachte.

Die Front öffnet sich und ein wichtiger Teil der Elektromechanik wird zugĂ€nglich. Immer wieder sehe ich gebrauchte TS1000 mit abgebrochenen Schiebereglern und Knöpfen. In den meisten FĂ€llen sind die Radiotechniker und stolzen Besitzer selbst schuld an diesem Übel. Um die Front einer Grundig TS1000 abzunehmen bedarf es nur 7 Kreuzschlitzschraube.

Nur 7 Kreuzschlitzschrauben und die Frontseite kann geöffnet werden. (c) Heinz D. Schultz

TS1000 Liebhaber versuchen immer wieder die Knöpfe der Schieberegler und Drehregler mit Gewalt abzuziehen. Das ist nicht nötig! Die Servicefreundlichkeit einer TS1000 ist schon 1976 ausgereift und im Wartungsfall löst man eben nur 7 Schrauben, hebt die Umlenkhebel und Rollen (gelbe Pfeile) etwas an und kann die aus einem Guß produzierte Front abnehmen.

Die Umlenkrollen beidseitig etwas anheben und schon kann die Frontplatte abgehoben werden. (c) Heinz D. Schultz

Die Schieberegler sind mit einem sehr clever gemachten System mit der Frontplatte verbunden und haben Mitnehmer fĂŒr die Schieberegler auf der Frontplatine.

Schieberegler-Mechanik in der Frontplatte. Einfach, pragmatisch und genial gelöst. Verfechter der Pisastudie mögen mir verzeihen, denn die meisten Servicetechniker können keine Wartungsanleitungen lesen und reissen die Regler mit brachialer Gewalt raus. (c) Heinz D. Schultz

(P.S.: Ich habe den Staub bewusst gelassen. Reinigen kommt spÀter. Mea culpa.)

Murkser am Werk?

Ich achte beim Öffnen der Maschinen immer auf den Zustand der Schrauben. Sind diese vermurkst oder mit dem falschen Schraubenzieher geöffnet worden, kann man davon ausgehen, daß Laien am Werk waren.

Superprofis öffnen Kreuzschlitzschrauben mit Taschenmesser, Flaschenöffner und Kronkorken. Es ist ein Drama! (c) Heinz D. Schultz

Nun gut, einen Riemen fĂŒr den Capstan oder das ZĂ€hlwerk zu wechseln, kann auch von einem Laien gemacht werden. Das sind dann auch die, die das TS1000 Schieberegler-Abreiss-Syndrom haben. Aber vielleicht hilft dieser Beitrag, solche grundlegenden Fehler zu vermeiden.

Offener Kimono!

Hier steht sie nun, die nackte TS1000! AufgerĂ€umt, ĂŒbersichtlich und auch in diesem Zustand noch ansehnlich.

Nackt? Nein! Symetrisches Design, Alu-Guss pur.  (c) Heinz D. Schultz

Spiderman was here!

Ich blicke heute etwas zufriedener in den „Brustraum“ der TS1000. Außer Staub und etwas „Webematerial“ eines Mini-Spidermans gibt es nicht viel zu beanstanden. Ab jetzt beginnt sich eine Strategie zur Reinigung der Maschine in meinem Großhirn zu entwickeln. Der Staub muss raus!

Staub an der rechten Bremse. (c) Heinz D. Schultz

„Bremshebel am rechten und linken Wickelmotor zieht am meisten Staub.“

Das liegt an der elektrostatischen Aufladung beim Bremsvorgang. Das Bremsband aus Metall und Spezial-Beflockung entwickeln eine Aufladung, Diese wird ĂŒber den Hebel abgeleitet und „saugt“ förmlich den Staub an. Auf diesem Bild kann man auch schön sehen, daß Grundig zur SchalldĂ€mpfung und fĂŒr den Korrosionsschutz alle Zugfedern mit einem speziellen Fett geschĂŒtzt hat. Zu den Ölen und Fetten schreibe ich ein einem der nĂ€chsten Posts etwas mehr.

Nicht das Netz einer Vogelspinne! Staubflockung durch elektrostatische Aufladung bei der Reibung von Filz, Metall und Kunststoff. (c) Heinz D. Schultz

Auf der Frontplatine sind kleine mechanische Meisterwerke an Schiebeschaltern verbaut. Diese sind glĂŒcklicherweise mit Goldkontakten ausgestattet. Hier werde ich noch ĂŒberlegen ob eine Reinigung mit Druckluft und eine nachtrĂ€gliche Versiegelung mit einen Kontakt-Fett notwendig wird.

Die Drehregler sind in einfachen aber robusten Messingbuchsen gehalten und bleiben so sehr lange funktionsfĂ€hig. Einige Besitzer klagen ĂŒber schwergĂ€ngige Schalter des Mixers/EingangwĂ€hlers. Die SchwergĂ€ngigkeit kommt aber nicht von den Lagerbuchsen.

Kleine Meisterwerke auf der Frontplatine. (c) Heinz D. Schultz

VU Meter – Johnny Controlletti

Die VU Meter der TS1000 sind auch im hohen Alter noch ein Augenschmauß. Vorausgesetzt der Vorbesitzer ist nicht mit chemischen Reinigungsmitteln an den hochwertigen Kunststoff rangegangen.

Die VU Meter sind auf den gesamten Frequenzbereich der TS1000 ausgelegt. Also keine Flacker-Bling-Bling Anzeigen sondern echte VUs! (c) Heinz D. Schultz

Ich habe meine Grundig TS1000 immer mit einem feuchten Tuch / Leder und etwas SpĂŒlmittel (Seifenwasser oder PRIL) gereinigt. Dadurch bleibt die OberflĂ€che kratzfrei und wird nicht stumpf. Wenn man die gesamte Frontplatte abgenommen hat, kann man diese bedenkenlos mit etwas SpĂŒlmittel und handwarmen Wasser in der Dusche reinigen. Gut abtropfen lassen und mit einem Fön (Abstand mind. 40 cm und niedrigste WĂ€rmestufe) trocken blasen.

Der Staub, sollte er in die VU-Meter eingedrungen sein, lĂ€sst sich nicht so einfach entfernen. Das Anzeigeinstrument mĂŒsste dazu zerlegt werden. Hierbei ist höchste Vorsicht geboten. Zeiger und Mechanik sind sehr filligran und eine BerĂŒhrung der RĂŒckholfeder wĂŒrde die Ansprechzeiten der Zeiger beeinflussen. Die kleinen Staubflocken hier auf dem Bild zu sehen, sind aber zum GlĂŒck auf der Scheibe.

Andruckrolle, Tonkopf und TontrÀger!

Bei dieser TS1000 habe ich im ersten Blogbeitrag ja festgestellt, daß die Seriennummer auf der RĂŒckwand mit der innenliegenden SerĂ­ennummer nicht ĂŒbereinstimmt. Meine Vermutung lag nahe, daß diese TS1000 aus 2 GerĂ€ten zusammengebaut wurde und dann auf die Reise durchs Internet ging.

Spuren zur Nutzungszeit schlagen sich u.a. auf Andruckrolle und die Abnutzung der Tonköpfe nieder.

Doch jetzt geht es erstmal zur Andruckrolle!

Typisches Aussehen einer 40 Jahre alten Andruckrolle.  (c) Heinz D. Schultz

FĂŒr eine 40 Jahre alte Bandmaschine sieht die Andruckrolle noch gut aus. Sie hat an ElastizitĂ€t verloren und strahlt mit einer glatten OberflĂ€che. Das Lacksiegel am Lager ist nicht gebrochen und man kann davon ausgehen, daß die Maschine noch mit der ersten Andruckrolle zurecht gekommen ist.

Die Rolle werde ich neu vulkanisieren lassen. Es gibt in Deutschland 2-3 Spezialisten die entweder Neuanfertigungen inklusive des Kerns (Lagerbuchse) anbieten, aber auch Fachleute die eine Vulkaniserung auf den Original-Kern vornehmen. Ich werde vermutlich letztere Methode vorziehen.

Tonköpfe und KopftrÀger!

Grundig hatte damals die geniale Idee, die Tonköpfe auf einen KopftrÀger zu montieren. Ein Abgleich der Elektronik war direkt auf der Platine im KopftrÀger vorgesehen.

Zudem gab es 4-Spur, 2-Spur und 4-Spur Autoreverse KopftrÀger. Welche Bandmaschiene im semiprofessionellen Bereich kann mit einem solchen Luxus aufwarten?

Die Berliner TS1000 glĂ€nzte am KopftrĂ€ger mit unbeschĂ€digten Schrauben. Die TrĂ€gerschrauben des KopftrĂ€gers waren niemals „gepeinigt“ worden.

KopftrÀgerschrauben sind noch jungfreulich! (c) Heinz D. Schultz

Das ist eine erstes gutes Zeichen. Ich bin gespannt was die Tonköpfe sagen.

Tadelloser KopftrĂ€ger und Tonköpfe! (DafĂŒr wĂŒrde ich bis zu 200 Euro bezahlen!) (c) Heinz D. Schultz

Das begeistert mich! Die Tonköpfe haben eine minimalen Kopfspiegel von weniger als 1.5mm. Das kĂ€me nach meiner Erfahrung auf ca. 300-450 Stunden Betrieb mit gutem Band. Die Tonköpfe haben eine Lebensdauer von 5.000 bis 10.000 Stunden, je nach verwendeter Geschwindigkeit und Bandmaterial. Die ARD hat mal an einer Telefunken M15A die Verscheißgrenze mit 13.000 Betriebsstunden (Motorstunden) ermittelt. Die Telefunken lief aber mit 38cm/s. Wenn man einigen insider Berichten Glauben schenkt, halten z.B. Revox Recovac Köpfe ca. 3.000 Stunden. (Diese Information ist jedoch unbestĂ€tigt und habe ich aus mehreren ForenbeitrĂ€gen zusammengetragen.)

Der KopftrĂ€ger und die Tonköpfe hier werden dem Berliner Freund noch viele Jahre Freude bereiten. Zudem gibt es im Internet immer wieder gĂŒnstige KopftrĂ€ger zu kaufen. Ich hoffe das bleibt noch eine Weile so, denn die Preise fĂŒr TonbandgerĂ€te erleben derzeit einen neuen Boom.

Kluge Bandfreunde decken sich rechtzeitig damit ein. In vielen Foren hört man immer wieder, daß man Tonköpfe „lĂ€ppen“ kann. Ich selbst habe noch keinen Tonkopf gelĂ€ppt. WĂŒrde auch dem Laien davor abraten. LĂ€ppen ist das Abtragen der TonkopfoberflĂ€che mit einem 400er-1000er Schleifpapier. Allein der Gedanke daran bereitet mir GĂ€nsehaut……

Tonköpfe in einem excellenten Zustand. (c) Heinz D. Schultz

UnberĂŒhrte Justage!

Meine Freude wird immer grĂ¶ĂŸer! Die Tonköpfe wurden nicht nachgestellt oder verschlimmbessert. Die Lacksiegel zur Tonkopfjustage sind unversehrt!

Die Lacksiegel zur Tonkopfjustage sind nicht beschÀdigt! (c) Heinz D. Schultz

Das Innenleben – oder der Platinensalat

Der Blick in den Brustkorb der TS1000 hat mich ĂŒberzeugt. Guter Zustand der Mechanik und der Tonköpfe. Solche Erkenntnisse spornen immer an, Gas zu geben. Wir haben nĂ€chste Woche schon Anfang Oktober und bis Weihnachten soll die TS1000 in Berlin laufen.

Maschine um 180 Grad gedreht und ran an den Platinensalat.

Spiderman lĂ€sst grĂŒĂŸen. Es ist nur Staub. (c) Heinz D. Schultz

Der servicefreundliche Aufbau der TS1000 zahlt sich hier ein Zweites mal aus. Die Platinen stehen senkrecht und saugen nicht allzuviel Schmutz an. Dennoch sind die Herausforderungen – oder ist es mein Anspruch – sehr hoch. Wir haben bis jetzt noch keinen elektronischen Funktionstest durchgefĂŒhrt. Wir sind noch im Lagebild-Modus.

Unbehandelte TS1000 Platine. (c) Heinz D. Schultz

Auf der hier abgebildten Platine sieht man sehr schön den Schiebeschalter (heller belichtet). Dieser wird durch die Gabelnase, rechts im Bild, von einem Front-Drehschalter bedient. Diese Bauweise finden wir in der TS1000 auf 3 Platinen.

Grundig verwendete zur Schmierung ein nichtleitendes Fett. Leider habe ich bei vielen Restaurationen festgestellt, daß im Laufe der Zeit, der Staub und Schmutz dem Fett ordentlich zusetzt. Das fĂŒhrt zu Störungen im Signalweg. (c) Heinz D. Schultz

Auf dem Bild ist schön zu sehen, daß die darunterliegende Leiterbahn, mit altem Fett bedeckt ist. Das muss grĂŒndlich entfernt werden.

Hot Stuff – Überhitzte TS1000

Im letzten Beitrag habe ich das Netzteil der TS1000 begutachtet. Einen wichtigen Hinweis möchte ich dazu noch loswerden. Das Netzteil ist ĂŒber den Alu-Winkel (KĂŒhlwinkel) mit dem GehĂ€use-KĂŒhlkörper verbunden und verschraubt. Zwischen den beiden KĂŒhlkörpern befindet siche eine WĂ€rmeleitpaste. Ich werde diese Leitpaste mit einem Spezialreiniger entfernen und mit einer neuen beschichten. Das wird sich auszahlen und die Netzteiltemparatur wieder auf das geplante Niveau zurĂŒckfĂŒhren. (P.S.: Diesen Hinweis habe ich in den AusfĂŒhrungen von Matthias Madsen bestĂ€tigt bekommen)

Ausgetrocknete WÀrmeleitpaste. (c) Heinz D. Schultz

Was kommt als NĂ€chstes?

Im nĂ€chsten Blogbeitrag geht es an die Reinigung der einzelnen Komponenten, Leiterplatten und Schalter. Hierzu setze ich ein Ultraschallverfahren und eine SpezialflĂŒssigkeit ein. Ein bewĂ€hrtes Trocknungsverfahren sowie der Einsatz von modernen Fetten und Ölen werde ich ausfĂŒhrlich beschreiben.

Ihr werdet bestimmt denken: „Der Alte ĂŒbertreibt“. Aber meine Einstellung zu solider Technik stammt von meinem Vater. Er war U-Bootfahrer im zweiten Weltkrieg und war auf Technik angewiesen. Diesen Bezug hat er mir mit seiner DNA vererbt.

Also dran bleiben, wir schaffen das bis Weihnachten.

Bildrecht des Beitragbildes: Jeremy Bishop 

TS1000 – Anruf aus Berlin!

Nach einem etwas lĂ€ngeren Telefonat mit meinem Studienkollegen aus Berlin, stehen nun die Spezifikationen fĂŒr die Restaurierung der TS1000 fest.

Seine Bandmaschine soll vollstĂ€ndig restauriert – nicht nur revidiert – werden. ZusĂ€tzlich sollen einige Modifikationen vorgenommen werden. Hier die Liste der „Must-Haves“.

Wunschliste:

  • VollstĂ€ndige Überarbeitung der Mechanik, mit Tausch aller Lager/Kugellager/Umlenkrollen
  • Andruckrolle, Antriebsriemen mit hochwertigen Bauteilen ersetzen
  • Elektronik vollstĂ€ndig auf/und ĂŒberarbeiten mit Abgleich auf Referenzband
  • UmrĂŒstung von 4-Spur auf 2-Spur Köpfe. (Austausch KopftrĂ€ger)
  • Digital-Ausgang mit professionellen Samplerates von 16-192 kHz und 24Bit integrieren
  • Optional Audio-Digital-USB Wandler fĂŒr digitale Einspeisung in Apple/Windows PCs (treiberlos und zukunftssicher mit Audio Class 1.0 und 2.0)
  • Überarbeitung des GehĂ€uses und der Frontplatte
  • Abdeckhaube modifizieren und polieren

Über das Budget haben wir nicht gesprochen, zumal ich solche Projekte nicht gewerblich parallel zu meiner aktiven beruflichen Position betreibe. Es wird ein freundschaftlicher Ausgleichsbonus in Form von einigen Cigarren-Kisten (Sancho Panza, Punch, Upmann, Patoro und Rocky Patel), 23 Jahre alten Rum aus Guatemala (Zacapa Centenario) und edlem französischen oder neuseelĂ€ndische Wein bezahlt.

Da ich schon geahnt habe wo mein Berliner Freund hin will, habe ich mich vorzeitig bei meinem Digital-Guru Uwe Beis (www.beis.de/Elektronik/Electronics.html) umgesehen. Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung dĂŒrfte die Integration des Analog-Digital-Wandlers sein. Die Anforderungen aus Berlin wurden in einer Email nur flapsig formuliert. Endziel ist die digitale Aufbereitung des Tonmaterial in einem Computer. Da in Berlin ĂŒber 100 BĂ€nder mit z.T. Originalaufnahmen aus dem Familiennachlass auftaucht sind, soll die TS1000 als Arbeitstier fĂŒr die Ton-Sichtung und spĂ€terer Archivierung dienen. Der Zustand der BĂ€nder soll ausgezeichnet sein und teilweise wurde in 4-Spur respektive 2-Spur aufgenommen. Bei der TS 1000 ist der TrĂ€gerwechsel ja ein Kinderspiel, Entzerrung ist ja auch auf diesem voreingestellt und muss nicht in der Elektronik nachjustiert werden.

Nun gut – die TS 1000 liegt ja noch auf dem OP-Tisch

Im letzten Blogbeitrag habe ich ja nur die RĂŒckwand aufgeschraubt und mir einen ersten Überblick verschafft. Da die Grundig TS1000 extrem servicefreundlich aufgebaut ist und SteckplĂ€tze fĂŒr Erweiterungen vorhanden sind, dĂŒrfte eine Integration eines Audio Analog-Digital Wandlers kein großes Problem sein.

Uwe Beis hat mir gestern (20.9.2017) einen Bausatz seines Wandlers geschickt. Damit können die Maße fĂŒr den Einbau abgeglichen werden.

Das Paket von Uwe Beis – Der Audio Anlog-Digital Wandler AD24Q. (c) Heinz D. Schultz

Platz in der TS1000

Der Steckplatz fĂŒr die Serviceplatine ist so ausgelegt, dass alle Audio-Signale und auch die Stromversorgung in 26.5, 30 und 5 Volt ĂŒber das Mainboard (RĂŒckplatte) zur VerfĂŒgung stehen.

Service-Platine in der TS1000 – Die Maschine ist noch nicht gereinigt und so vom Tatort in den OP gekommen. (c) Heinz D. Schultz

Der AD24QS kann gut auf der Serviceplatine Platz finden. Inwieweit dazu die Original Platine von Grundig umgebaut wird, steht noch nicht fest. Ideal wĂ€re natĂŒrlich eine eigene Platine mit der Option auch spĂ€ter einen Digital-Eingang nachzurĂŒsten. Dazu aber spĂ€ter.

Die Serviceplatine mit der aufgelegten AD24QS Platine (teilbestĂŒckt). GenĂŒgend Platz vorhanden. (c) Heinz D. Schultz

Der AD24QS wird mit 12 Volt betrieben und hat eine Stromaufnahme von ca. 180mA. Da wir in der TS1000 aber 26,5 Volt und 30 Volt zur VerfĂŒgung haben, wird noch ein Spannungsregler benötigt. Ich habe mich fĂŒr einen Regler entschieden der Eingangsspannungen bis 40 Volt vertrĂ€gt und gnĂ€dig mit der Temperaturentwicklung umgeht und das Original Netzteil nicht strapaziert.

Die KabelausfĂŒhrung aus dem GehĂ€use werde ich auch noch ĂŒberdenken um ggf. einen RĂŒckbau zu ermöglichen.

Aber es liegen noch viele Arbeitsschritte vor uns. Am Wochenende wird die Frontplatte der TS1000 abgenommen und weiter am „Lagebild“ gearbeitet. Ich bin gespannt was mich noch erwartet.

Bitte dranbleiben.

 

WeiterfĂŒhrende Informationen zum AD24QS gibt es hier: http://beis.de/Elektronik/ADDA24QS/AD24QS-de.html

Bildrechte-Titelbild: Photo by Pavan Trikutam on Unsplash

TS1000 – Revision versus Restauration

„Die TS1000 aus Berlin ist eingetroffen!“

Ein ehemaliger Studienkollege hat mich gebeten seine TS1000 zu begutachten. Er hatte sie bei eBay gefunden und fĂŒr knappe 200 Euro ersteigert. Der VerkĂ€ufer hat die Maschine als „gebraucht“ und „lĂ€sst sich einschalten“ deklariert. Leider war das nicht so.

Der Spediteur hatte das schwere Paket am Freitag den 15.9.2017 bei mir abgeliefert. Heute einen Tag vor meinem Geburtstag darf die schöne TS1000 auf den OP-Tisch. Aber zunÀchst wird seziert wie die Gerichtsmediziner zu sagen pflegen.

Die TS1000 aus Berlin ist eingetroffen. Optisch auf den ersten Blick in Ordnung. (c) Heinz D. Schultz

Die typischen MĂ€ngel der gebrauchten TS1000 sind abgebrochene oder nicht mehr vorhanden Schalter, Schiebereglerknöpfe oder Tonkopfabdeckungen. Von den sich auflösenden GummifĂŒĂŸen auf der RĂŒckseite spreche ich zunĂ€chst mal nicht.

Fehlende Schiebereglerknöpfe auch hier an der TS1000 (c) Heinz D. Schultz

Zum GlĂŒck war der fehlende Knopf des Schiebereglers dabei. Hochwertige OberflĂ€chen aus Kunststoff lassen sich mit einem 3D-Drucker leider nicht so gut herstellen. Aber das GegenstĂŒck im Inneren der Maschine sieht ja niemand.

Abgebrochen aber zum GlĂŒck noch vorhanden (c) Heinz D. Schultz

Die RĂŒckseite der TS1000 sieht noch ganz ansehnlich aus. Ich habe mir jedesmal vor einer OP vorgenommen die Seriennummern auf der RĂŒckseite mit der Seriennummer im Inneren der Maschine zu vergleichen. Das hört sich vielleicht seltsam an, liefert aber Indizien auf den Ursprungs-Status. Manche Maschinen die auch als Sammlermaschinen angeboten werden, sind aus mehreren GerĂ€ten zusammengeschusterte Verkaufsobjekte. Schön ist es immer wenn beide Seriennummer ĂŒbereinstimmen. Also vor einem Kauf die Fangfrage nach Seriennummern innen und außen stellen 🙂

Seriennummer aus der 14.000er Serie. Das ist so um 1979 (c) Heinz D. Schultz

Schade! Die Seriennummer im Inneren weicht ab. Aber das Innenleben ist jĂŒnger als die HĂŒlle. Hier muss jemand wie vermutet mindestens 2 Maschinen zu einer Buchten-Kiste zusammengewĂŒrfelt haben. Aber mal sehen was die Substanz hergibt.

Seriennummer im Inneren stimmt nicht ĂŒberein. Seriennummer aus der 16.000er Serie. Das ist so um 1981 (c) Heinz D. Schultz

Jetzt wird es Ernst!

Nachdem die RĂŒckwand mit 6 Schrauben gelöst wurde und der Seriennummern-Schock ĂŒberwunden, geht es an die erste Sichtung des Innenlebens.

Und es geht weiter mit den Überraschungen. 

Die Motorplatte fĂŒr den Tonwellenantrieb hĂ€ngt gravitationslos im Innenraum. Vermutlich hat der Vorbesitzer einen Riemenwechsel versucht und hat dann mittendrin aufgegeben. Die 3 Befestigungsschrauben fehlen.

Motorplatte ist lose, Schrauben fehlen (c) Heinz D. Schultz

Motorplatte fĂŒr den Tonwellenantrieb an der TS1000 ist lose. (c) Heinz D. Schultz

Tonwelle hat noch ein gutes Lager!

Zum GlĂŒck hat die Tonwelle noch eine sehr gutes Lager. Die Verhartzung am Kugelkopf wird spĂ€ter gereinigt und mit neuem Buchsenfett auf Laufruhe getrimmt. Man sollte die Tonwelle niemals versuchen herauszuziehen um sich ĂŒber den Zustand der Tonwellen-Lagerung ein Bild zu verschaffen. Die Lager die Grundig damals verbaut hat, sind extrem langlebig und fĂŒr die Ewigkeit gefertigt. Messen kann man den Höhenschlag mit einem Mikrometer.

Tonwellen-Schwungmasse an der TS1000. (c) Heinz D. Schultz

Die beiden ÖldĂ€mpfer fĂŒr die Umlenkrollen sollte man bei einer 40 Jahre alten Maschine entharzen, reinigen und mit vorgeschriebenem Fett neu bestĂŒcken. Grundig hat die Verwendung von zugelassenen Fetten und Ölen in der Serviceanleitung dokumentiert. Leider lese ich in vielen Blogbeitragen immer wieder das WD40 und Balistol zur Reinigung eingesetzt wird. Balistol ist ein Waffenöl und sollte nur bei einem G3 Heckler & Koch, Glock 43 u.Ă€. angewendet werden. WD40 ebenda der sichere Tod fĂŒr ein Bandmaschinenlager, Andruckrollen, Riemen u.v.a. Komponenten.

ÖldĂ€mpfer fĂŒr die Bandzugregelung/Umlenkrollen. (c) Heinz D. Schultz

Elektronik-Schau!

Nun sehen wir uns mal die Elektronik etwa nĂ€her an. Aufmerksame Leser haben festgestellt, daß ich bei einer ersten Sichtung niemals der Versuchung verfalle, die TS1000 an 220Volt anzuschließen und einzuschalten. Alleine die lose Motorplatte hĂ€tte bei Kontakt mit einem Steckverbinder oder einer Leiterbahn grĂ¶ĂŸern Schaden verursacht. Also immer erst eine mechanische/optische Sichtung und dann systematisch vorangehen.

Das Netzteil

Meine Aufmerksamkeit gilt immer zuerst der Stromversorgung. Alte Kondensatoren, Elkos und Transitoren sorgen schon mal fĂŒr einen zu hohen Stromfluss und fĂŒhren zu einem Netzteilschaden. Die meisten Besitzer haben dann bei den ersten Rauchzeichen und AusfĂ€llen neue Sicherungen eingebaut. Das Netzzeil der TS1000 ist auch wichtiger Bestandteil der Motorensteuerung.

Meine Empfehlung ist es auch die Werte der Sicherungen am Trafo und der Stromverteiler-Platine zu ĂŒberprĂŒfen. An dieser Maschine hier war alles okay und keine der Sicherungen war defekt.

Grundig hat immer sehr sorgfÀltig und servicefreundlich gearbeitet. Die Werte der notwendigen Sicherungen ist auf der Platine aufgdruckt.

Das TS1000 Netzteil von der Leiterbahnenseite sieht noch ganz gut aus. (c) Heinz D. Schultz

Netzteil ohne „Lagerfeuer“ an der TS1000. (c) Heinz D. Schultz

Dioden-Pow-Wow mit Hitzespuren. (c) Heinz D. Schultz

Platinen-Sammlung

Nachdem das Netzteil keinen besonderen Anlass zur Sorge gibt, sichte ich die Lack-Siegel an den Platinen. Sind diese beschĂ€digt, kann man davon ausgehen, daß jemand im Bauchraum der TS1000 gewerkelt hat.  Die Platinen nehme ich in der ersten Phase nicht heraus. Das geschieht dann spĂ€ter.

Platinen-Siegel sind gebrochen. (c) Heinz D. Schultz

Papst – Wickelmotoren

Die Papst Wickelmotoren aus dem Schwarzwald lassen sich drehen und nach dem Lösen der Bremse auch gerĂ€uschlos mit Schwung auf Geschwindigkeit bringen. Hier ĂŒberlege ich dann immer, ob ein Kugellager-Wechsel lohnt oder man die fĂŒr die Ewigkeit gebauten Komponenten nicht im Motor lĂ€sst. Dazu kommen wir noch spĂ€ter.

Es sei angemerkt, daß viele Maschinen lange Jahre in SchrĂ€nken, Kellern oder klimatisch nicht optimalen Orten gelagert werden. Im Erbfall oder Umzug wird eine solche TS1000 dann schnell mal im Internet als Dachboden-/Keller-Fund angeboten. Luftfeuchtigkeit setzt den Lagern sehr zu. Hier ist Vorsicht geboten. Zwei Lager (Kugellager) tauschen kostet 20 Minuten Zeit und 16 Euro Material. In einem meiner spĂ€teren BlogbeitrĂ€gen werde ich beschreiben, wie man ein Kugellager am Papst Motor wechselt.

Papst Wickelmotoren – Test nur mit gelöster Bremse. (c) Heinz D. Schultz

Wie geht es weiter?

Im nĂ€chsten Blogbeitrag werde ich die Frontplatte abnehmen und das „Gesicht“ der TS1000 nĂ€her betrachten.  ZunĂ€chst mĂŒssen wir uns ja ein „Lagebild“ zum Gesamt-Zustand der Maschine verschaffen.

Da ich beruflich sehr aktiv bin, kann ich an manchen Abenden nur 1-2 Stunden mit der TS1000 verbringen, mein Jagdhund Johnny hat erste PrioritĂ€t. Deshalb folgen die nĂ€chsten BeitrĂ€ge nicht immer regelmĂ€ĂŸig.

Ich hoffe Ihr habt dafĂŒr VerstĂ€ndnis 🙂