Ein kleiner 3D Schritt fĂŒr mich, ein großer fĂŒr die Grundig TS1000 Besitzer.

Der erste Schritt auf dem Mond

Nach nunmehr 3 Jahren experimenteller Versuche, Ersatzteile fĂŒr die TS1000 mit einem 3D-Drucker herzustellen, bin ich nun deutlich weiter. Ein Quantensprung* bezeichnet die Bedeutung dieses Fortschritts.

Die TS1000 hat mehrere altersbedingte Schwachstellen aber die wohl grĂ¶ĂŸte Baustelle wurde vom Besitzer und/oder Servicetechniker verursacht. Will man die Front der TS1000 öffnen, versucht man unweigerlich – ja fast schon magisch angezogen – die Regler Knöpfe abzuziehen.  Das funktioniert bei den Drehreglern sehr einfach ist aber genauso unnötig. Die Schieberegler jedoch sind auf der Frontplatte montiert. Der Schieberegler-Knopf steckt in einer dahinter liegenden Grundplatte, diese rastet mit dem filigranen Knopf ein, denn die Grundplatte stellt die Verbindung zum Schieberegler her. Grundig hatte die Grundplatte mit dem Knopf zusĂ€tzlich verklebt.

TS1000 Regler

Front der TS1000 mit Schieberegler Einheit (c) Heinz D. Schultz

Versucht man nun den Schieberegler-Knopf abzuziehen, brechen die Verbindungszapfen zur Grundplatte ab und der Knopf ist irreparabel defekt.

TS1000 Knopf

Abgebrochener Schieberegler Knopf der Grundig TS1000 (c) Heinz D. Schultz

3D Druckmodell fĂŒr einen Repair-Einsatz

Kleben und weitere experimentelle Versuche scheitern an der filigranen Konstruktion. NatĂŒrlich kann man den Verbindungsmechanismus mit einem Repair-Einsatz ganz gut „flicken“. Ich habe anfĂ€nglich mit einer kleinen runden 3D-Konstruktion gearbeitet. Hierbei wird der abgebrochene Steg und ggf. der noch intakte ab geknipst/abgeschnitten und Platz fĂŒr das BlĂ€ttchen gemacht. Mit etwas Heisskleber kann man es fixieren und es hĂ€lt dann erstaunlich gut in der noch vorhandenen Grundplatte. 

Ich habe einen kostenlosen Download der CAD Datei – thinkercad – fĂŒr den ausschließlich privaten Gebrauch bereitgestellt:

Hier geht es zum Download/Aufruf: Thinkercad 3D-Modell herunterladen

Ist der Knopf aber verloren gegangen oder die Grundplatte hat sich in den ewigen Weiten des Universums verabschiedet, dann hat man schlechte Karten.

TS1000 Regler-3D Haltefuss

Repair Kit 3D Modell zum Nachdruck (c) Heinz D. Schultz

Ein Ersatzknopf mit Grundplatte muss her!

Gesagt getan. Vor 3 Jahren habe ich einen externen Dienstleister gebeten, die Knöpfe anhand von Vorlagen zu digitalisieren und im industriellen Multi Jet Fusion Verfahren nachzudrucken. Die QualitĂ€t war jedoch bescheiden. Die OberflĂ€che der Knöpfe war unansehnlich und haben trotz Verwendung eines ĂŒber 50.000 Euro teuren Equipments sehr stark nach Bastelstube ausgesehen. Die vom Dienstleister abgekaufte Konstruktionsdateien haben ein Vermögen gekostet, sollten aber Basis fĂŒr weitere Versuche sein.

Der erste Versuch mit einem FDM Drucker Anycubic i3 MEGA S und PLA als Druckmaterial (Filament) sah zunÀchst vielversprechend aus. Aber das PLA war nicht stabil genug, um die filigrane Steckverbindung abzubilden. Die Regler sind nach kurzer Zeit gebrochen.

Frustriert von den ersten Ergebnissen haben einen regen Gedankenaustausch im Team verursacht. Wir haben uns dann einen hochauflösenden RESIN-Drucker angeschafft und die gleichen Konstruktionsdateien verwendet. Der Anycubic Photon Mono X die Curing-Maschine haben erstaunliche Ergebnisse geliefert. Allerdings sind die AufwĂ€nde in der Nachbearbeitung sehr hoch. Die Bauteile mĂŒssen mit Pressluft ausgeblasen werden und Resin-Reste mĂŒssen restlos ausgewaschen sein. Hinzu kommen die langen AushĂ€rtezeiten unter dem UV-Licht.

Aber auch hier kam sehr schnelle eine EnttĂ€uschung. Der Resin-Druck hat zwar eine perfekte Knopf-OberflĂ€che geschaffen, aber die RĂ€nder fĂŒr das ALU EinlegeplĂ€ttchen waren zu dĂŒnn und sind nur durch den Anblick gebrochen.

EnttĂ€uscht habe ich das Projekt einige Monate schlafen lassen. Aber glĂŒcklicherweise haben sich die Anfragen von TS1000 Besitzern aus aller Welt gehĂ€uft und der psychologische Druck hat wieder Antrieb gegeben.

Genie gefunden

Im Freundes- und Bekanntenkreis wurde ein CAD Spezialist gesucht, der die Knopf-Grundplatten Einheit neu konstruiert und umsetzt. Mit Lukas Hannert von FORMFAKTOR  in Kirchheim unter Teck haben wir das „Genie“ gefunden. Die Paarung zwischen professionellen CAD Kenntnissen und sehr ausgeprĂ€gten Material- und Produktionskenntnissen im 3D-Druck, haben uns nun zur Serienreife gefĂŒhrt.

Formfaktor 3D

Lukas Hannert bei der Konstruktion und PassprĂŒfung der neuen TS1000 Regler-Kopf Konstruktion.  (c) Lukas Hannert

Mit Erlaubnis von Lukas, möchte ich Euch die Umsetzung durch 3D- Druck etwas nÀher bringen:

Das FDM-Verfahren und die Vorteile von Dual Extrusion im Bezug auf KonturĂŒberhĂ€nge erklĂ€rt

Die AbkĂŒrzung „FDM“ steht fĂŒr „Fused Deposition Modeling“ und wird teils auch durch „FFF“ fĂŒr „Fused Filament Fabrication“ ersetzt. Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der ein Kunststoffdraht, Filament genannt, erhitzt und dann durch eine feine DĂŒse geleitet wird, die ihn in Bahnen an den gewĂŒnschten Stellen auftrĂ€gt. Hierbei wird das WerkstĂŒck ausgehend von einer ebenen FlĂ€che, Druckplatte genannt, Schicht fĂŒr Schicht aufgebaut. So benötigt jede Schicht eine vorhergehende Schicht, auf welcher sie aufbauen kann, was die Realisierung von KonturĂŒberhĂ€ngen des WerkstĂŒcks erschwert. Ohne Weiteres sind daher nur Überhangswinkel von 40° – 60°, ausgehend von der Senkrechten, umsetzbar.

Bisherige Lösungen des Problems sind der gezielte Verzicht auf ÜberhĂ€nge oder das UnterstĂŒtzen mit einer gerĂŒstartigen StĂŒtzstruktur, auch Support genannt, die ein Absacken der Schichten bei grĂ¶ĂŸeren Überhangswinkeln verhindern soll. Da diese unter Verwendung eines herkömmlichen Druckers jedoch aus demselben Material besteht, wie das WerkstĂŒck selbst, ist sie oft mĂŒhevoll zu entfernen und hinterlĂ€sst OberflĂ€chen mit verminderter QualitĂ€t.

Abhilfe schaffen die von Lukas eingesetzten Drucker des Typs „Ultimaker 3“, welche statt einer, zwei DĂŒsen besitzen. Dieses Feature nennt sich „Dual Extrusion“ und ist der SchlĂŒssel zu nahezu uneingeschrĂ€nkter konstruktiver Freiheit. Denn mithilfe der zweiten DĂŒse ist es möglich, fĂŒr die StĂŒtzstruktur ein separates Material einzusetzen. HierfĂŒr greift Lukas auf PVA bzw. Polyvinylalkohol zurĂŒck, ein Kunststoff, der biologisch abbaubar und wasserlöslich ist. Dieser hat den enormen Vorteil, dass sich StĂŒtzstrukturen nach dem Druck durch Einlegen in Wasser von selbst beseitigen. ZurĂŒck bleiben OberflĂ€chen mit unverĂ€nderter QualitĂ€t bei beliebigen Überhangswinkeln.

Das Endergebnis kann sich sehen lassen

Die sehr schöne OberflĂ€che des verwendeten mattschwarzen PLA Filaments in Kombination mit dem gebĂŒrsteten Alu-BlĂ€ttchen fĂŒr die Einlage sieht sehr gut aus. Viele TS1000 Besitzer können Ihrer Maschine wieder ein „Gesicht“ geben.

Reglerknopf Lang fĂŒr TS1000

TS1000 Regler-Kopf Neukonstruktion im 3D-Druck und Laser Cut  (c) Heinz D. Schultz

Ersatzteile verfĂŒgbar

Ab 2. Januar 2022 biete ich nun die vollstÀndigen Kits im Shop meines Sohnes an. Das Kit besteht aus 4 langen und 2 kurzen Regler-Knöpfen, 6 Grundplatten, 6 Alu EinlegeblÀttchen (vormontiert) sowie 6 Spezial-Schrauben zur Montage auf der Frontplatte.

TS1000 Reglerset nicht montiert

TS1000 6er-Set Regler-Köpfe noch nicht vormontiert  (c) Heinz D. Schultz

Reglerset fĂŒr TS1000

TS1000 6er-Set so wie es vormontiert geliefert wird.  (c) Heinz D. Schultz

ErklÀrung Quantensprung

* Als Quantensprung bezeichnet man in der Alltagssprache des 21. Jahrhunderts einen Fortschritt, der eine Entwicklung innerhalb kĂŒrzester Zeit ein sehr großes StĂŒck voranbringt. Dies widerspricht der ursprĂŒnglichen physikalischen Bedeutung. Daher gilt Quantensprung als sogenanntes Januswort (Autoantonym).

Copyright des Titelbildes liegt bei der NASA on Unsplash ​

Copyright der Texte: Heinz D. Schultz & Lukas Hannert von FORMFAKTOR

Bezugsquelle der Schieberegler Knöpfe im Grundig Sortiment der Heroms.com

Direkt zu den Ersatzteilen / Artikeln:
Regler lang 
Regler kurz 
6erSet

TS1000 – Die TĂŒcke liegt im Detail! Gleichlaufschwankungen!

TS1000 Justierscheibe - ein wichtiges Bauteil

Ein Bauteil in der Andruckrollen-Mechanik ist verantwortlich fĂŒr den korrekten Abstand der Andruckrolle zur Capstan-Welle. Geht die Justierscheibe beim z.B.  Wechseln einer Andruckrolle verloren, hat das fatale Folgen fĂŒr den Durchzug und  Gleichlauf des Bandmaterials.

Angeregt durch einen netten TS1000 Besitzer, möchte ich hier nochmal darauf hinweisen.

Danke Herr Thomas fĂŒr die aufmerksame Beobachtung!

Die nachfolgenden Schaubilder zeigen die Lage der Justierscheibe, der Textauszug stammt aus dem Servicemanual.

Kleine Scheibe, aber wichtige Funktion

Lagebild der Justierscheibe (c) Heinz D. Schultz

 Bauteil aus dem 3D-Drucker? Aber welches Material?

Die Original-Scheibe ist aus durchsichtigem Nylon oder Hartgummi. Ich habe mich entschlossen das weiche 3D-Filament TPU85A einzusetzen. Hier musste ich mit ĂŒber 18 Probedrucken an die idealen Parameter fĂŒr den Drucker herantasten.

Das Ersatzteil liefert die gleichen FlankenabstÀnde zum innenliegenden Kern, passt auf den Metall-Hebel und kann durch Wechseln der Aufsteckposition, den richtigen Abstand Andruckrolle/Capstan herstellen.

Wichtiges Bauteil in der TS1000

Original Justierscheibe (c) Heinz D. Schultz

3D-Druck der Scheibe

Original und Nach(bau/druck) (c) Heinz D. Schultz

Ersatzteil bestellen?

Ich verschicke das Ersatzteil gegen einen Obolus von 5 Euro deutschlandweit. Schreibt mir einfach an hdschultz@ts1000.de.

Falls Ihr selbst einen 3D-Drucker und das entsprechende Filament TPU85A besitzt, dann schicke ich Euch mit Angabe der TS1000 Seriennummer das G-Code oder STL-File zu. Auch hierfĂŒr sammle ich Kaffee-Spendengelder ein.

Apropos! Wenn Ihr wissen wollt wie man eine Andruckrolle wechselt, dann dĂŒrfte dieser Videoclip fĂŒr Euch interessant sein 🙂

Copyright des Titelbildes liegt bei  Edge2Edge Media auf Unsplash

TS1000 – VU Meter Umbau auf Vor- und Hinterband!

VU Meter auf VintageDisplay.de - Silentium!

Die Aussteuerungsanzeige – VU-Meter – der Grundig TS1000 wird werksseitig auf Vorband zur Aufnahme ausgeliefert. In diesem Anzeigeverfahren weiß man jedoch nicht, was wirklich auf dem Band ankommt.

Angeregt durch einen Kundenwunsch sollte die TS1000 mechanisch und elektronisch modifiziert werden.

Keine Narben hinterlassen!

Da ich ein großer Freund von authentischen TonbandgerĂ€ten bin, sollte der „operative Eingriff“ keine Narben hinterlassen. Ein spĂ€terer RĂŒckbau auf den Werkszustand ist jederzeit möglich.

Nach Studium des Schaltplans lĂ€ĂŸt sich das Hinterband-Signal auf der Automatik-MischverstĂ€rker Platine ( D ) einspeisen. Das Aufnahme-Signal hat eine Spannung von 625mV, das liefert auch der WiedergabeverstĂ€rker (G). 

Zur Modifikation wurde die Platine des Automatik-MischverstĂ€rkers an R37 und R38 aufgetrennt. Hier kann man nun ĂŒber den 47k Widerstand entweder das Vorband oder alternativ das Hinterband Signal einspeisen. Mit dieser Vorgehensweise bleibt auch das Anzeigeverhalten bei den unterschiedlichen Bandgeschwindigkeiten erhalten. 

Auftrennen des Leitungsweges auf der Automatik-MischverstÀrker Platine an R37 und R38 (c) Heinz D. Schultz

 Was ist auf dem Band angekommen?

Das Hinterband-Signal kommt direkt von der Wiedergabe-Platine (G) ĂŒber PIN 27 und 29.

Um die Modifikation auf nur einer Platine vornehmen zu mĂŒssen, wird das Wiedergabe-Signal von der Backpane (Hauptplatine) abgenommen. Die PIN-AnschlĂŒsse sind auf der Frontseite durch AusfrĂ€sungen die werksseitig vorbereitet sind, zugĂ€nglich. Hier wird das linke und rechte Ausgangssignal des WiedergabeverstĂ€rkers zur Platine des Automatik-MischverstĂ€rkers geleitet.

Wiedergabesignal wird angezapft (c) Heinz D. Schultz

Wiedergabesignal kann direkt an den PINs der Platinen-Steckleiste abgegriffen werden. (c) Heinz D. Schultz

Wiedergabesignal wird an der Backpane (Hauptplatine) angezapft (c) Heinz D. Schultz

Umschaltung von Vor- auf Hinterband

Ein hochwertiges Micro-Relais schaltet nun zwischen Vor- und Hinterband um. Die Ansteuerung des Relais erfolgt mit 5 Volt. Diese werden an der Beleuchtung der VU Meter abgegriffen. Der Micro-Switch fĂŒr das Relais findet seinen Platz auf der Kopfhörer-VerstĂ€rker-Platine. Die Schaltkulisse des werksseitigen Vor/Hinterband Schalters wird genutzt um die Steuerung des Relais zu ĂŒbernehmen. 

Zur Sicherheit ist bei einem Ausfall des Relais, der Werkszustand wieder hergestellt. 

Alle Modifikationen sind steckbar ausgefĂŒhrt. FĂŒr den RĂŒckbau sind lediglich R37/R38 wieder anzubringen.

Microschalter auf der KopfhörerverstÀrker-Platine (O). Wird durch die Schaltkulisse des original VOR/HINTER-Band Schalters bedient (c) Heinz D. Schultz

Hier noch ein paar Detailaufnahmen zur VU-Meter Modifikation im ersten Prototypen

Traut Euch – Traut Euch nicht!

Mit etwas handwerklichem Geschick, gepaart mit dem virtuosen Umgang eines Lötkolbens und der FĂ€higkeit eine Schaltung von einer Straßenkarte unterscheiden zu können, gelingt die Modifikation in 3-4 Stunden. Zeitfresser sind die kleine Platine mit dem Relais, die Verbauung des Microschalters auf der KopfhörerverstĂ€rker-Platine und die Verkabelung.

Falls Ihr dieses FĂ€higkeiten nicht ausgebaut habt, kann ich Euch dabei helfen. Das fertige KIT gibt es nun in meinem Shop.

Copyright des Titelbildes liegt bei Josh von Staudach auf VintageDisplays

Ein dickes DANKE geht auch an den Elektronik Professor Uwe Beis der mich ermutigt hat den Schaltplan der TS1000 gewissenhaft zu studieren.

Öle, Fette, Reiniger und Langzeitschutz

Oele, fette und Schmierstoffe

Ich werde oft mit Fragen zur Restauration einer 44 Jahren Bandmaschine konfrontiert. Eine elektrische Aufarbeitung der Platinen und der Steuerlogik ist eher trivial. Denn alle elektronischen Bauuteile sind heute noch am Markt verfĂŒgbar. Die Grundig-Ingenieure haben auch auf der Steuerlogik Platine nur Standardkomponenten eingesetzt.

Neben der elektronischen Aufarbeitung stellt manchmal aber die Mechanik eine HĂŒrde dar. Verharzte Kunststoff-Friktionen, eingerostete Drehachsen fĂŒr die Schalter oder angerostete Federn, BremsenenttlĂŒfter oder Luft-DĂ€mpfer wieder auf Vordermann zu bringen ist nicht leicht. Mit den richtigen Reinigungsmethoden wie zum Beispiel dem Ultraschall-Verfahren wird man schneller zum Ziel kommen.

Ich habe Euch hier eine Listung meiner eingesetzten Öle, Fette und Reiniger zusammengestellt. Vielleicht ist die Liste eine Anregung fĂŒr kommende Restaurationsprojekte bei Tandbergs, Uhers, Akais, Teacs, Pioneers, Revoxen oder 1000 anderen BandgerĂ€ten.

 

Eingesetzte Schmierfette und Öle

Bei der Restauration der Friktionen und mechanischen Bauteile werden Schmierstoffe verwendet, die weitestgehend den ursprĂŒnglichen Spezifikationen der Firma Grundig entspechen. 

 

Zum Einsatz bei Metall Kunststoff Friktionen….

…… wird das Dow Corning Produkt Molykote EM-30L eingesetzt. Als Friktionen bezeichnet man die Schalter- und Hebelmechanik. Bei der TS-1000 werden Schiebeschalter die auf den Einsteckplatinen verlötet sind, durch mechanische Umlenkungen bedient. Diese Friktionen sind ursprĂŒnglich mit BEACON 40 (heute Ă€hnlich dem BEACON EP1 von ESSO). Um den zum Teil ausgehĂ€rten Friktionen, ZahnrĂ€dern und SchiebeflĂ€chen keinen Schaden zuzufĂŒgen, wird das moderne und werkstofferhaltende Molykote eingesetzt. Das weiße Fett hat eine hohe konservierende Wirkung, eine solide Anhaftung und ist antistatisch. Dadurch wird ein Verschmutzen der Schmierstellen verhindert. Die Schmierung ist daueranhaftend.

Beschreibung: Hochleistungsfett fĂŒr langsame bis mittlere Geschwindigkeiten von Kunststoff/Kunststoff, Kunststoff/Metall und Gummi/Metall– Paarungen bei mittleren bis hohen Lasten.

Anwendungen: FĂŒr Schmierstellen, die mittleren bis schweren Lasten bei geringen bis mittleren Geschwindigkeiten ausgesetzt sind.

Merkmale: Blei- und Nickelfrei; Hohes Lasttragevermögen; Geeignet fĂŒr Langzeitschmierung aufgrund geringer Ölverdunstung und geringer Neigung zur Oxidation; Geringer Reibungskoeffizient; Mit den meisten Kunststoffen und Elastomeren vertrĂ€glich.

Zusammensetzung: Polyalphaolefin; Lithiumseife; Festschmierstoffe, Gebrauchstemperaturbereich – Von -45°C bis +150°C

 

 

Zum Einsatz bei Metall/Metall Paarungen ….

…… wird das Dow Corning Produkt Molykote BG-20 eingesetzt. Die Lagerschale der Capstan Schwungmasse wird mit diesem Hochleistungsfett ausgestattet.

Beschreibung: Das BG-20 ist ein Hochleistungsfett fĂŒr Metall/Metall- Paarungen bei hohen Geschwindigkeiten und mittleren bis hohen Lasten. Es ist geeignet fĂŒr Schmierstellen bei mittleren bis hohen Lasten und hohen Drehzahlen. 

Merkmale: Blei- und Nickelfrei; Hohes Lasttragevermögen; Geeignet fĂŒr Langzeitschmierung aufgrund geringer Ölverdunstung und geringer Neigung zur Oxidation; Weiter Gebrauchstemperaturbereich; Geeignet fĂŒr sehr hohe Drehzahlen (DN-Wert 750.000 mm/min).

Zusammensetzung: Esteröl; Lithium-Komplexverdicker; EW/AR-Additive; Oxidationsinhibitoren. Gebrauchstemperaturbereich – Von -45°C bis +180°C

 

 

Zum Einsatz bei Zugfedern ….

…… wird das MANNOL Produkt EP-2 Multi-MoS2 Grease eingesetzt. Die Zugfedern der TS1000 sind aus hochwertigem Stahl gefertigt. Das EP-2 wird sehr dĂŒnn auf die Federn aufgetragen und verhindert Korrossion und Vibration. Die GerĂ€uschentwicklung der Maschine wird dadurch reduziert.  

Beschreibung und Zusammensetzung: Universal-Hochdrucklithiumfett auf Grundlage von hochreinen Mineralölen, ergÀnzt durch MolybdÀndisulfid und andere EP-Additive (EP = Extreme Pressure).

Merkmale: Betriebstemperaturbereich: von -30 °C bis +120 °C. Geeignet fĂŒr die Wartung von WĂ€lz- und Gleitlagern, KreuzstĂŒcken von Kardanwellen, Fahrgestellen und anderen Reibknoten, die hohen Belastungen ausgesetzt sind. 

 

 

Zum Einsatz bei BandfĂŒhrungs-Rollen ….

…… wird das Costenoble Produkt OSIXOÂź OS 05 eingesetzt. 

Beschreibung: OSIXOÂź OS 05 ist ein sehr hochwertiges, synthetisches Spezial-Beschichtungsfluid auf Basis von KRYTOXℱ fĂŒr viele Materialien bzw. Materialpaarungen (metallische OberflĂ€chen, Kunststoffe und Elastomere).

Merkmale: Es werden sehr dĂŒnne funktionale Filmschichtdicken (5-10 ”m) erzielt und durch die spezielle Formulierung ist es gut sprĂŒhfĂ€hig.
OSIXOÂź OS 05 löst grundlegende Stick-Slip-Probleme und ist multifunktional in seinem Einsatz. Durch seine Geruch- und Farblosigkeit unterliegt es keinen optischen oder haptischen EinschrĂ€nkungen. OSIXOÂź OS 05 gewĂ€hrleistet eine extrem reibungs- und verschleißarme OberflĂ€che und erhöht damit die allgemeinen Gleiteigenschaften. Das Produkt lĂ€sst sich auf eine Vielzahl von OberflĂ€chen auftragen und zeichnet sich besonders durch seinen niedrigen Reibungskoeffizienten und seine ausgezeichnete Ablösungs- und Anti-Haft-Eigenschaft aus.

Anwendung:
OSIXOŸ OS 05 sollte auf sauberen, trockenen und fettfreien OberflÀchen aufgetragen werden. Ist die Beschichtung einmal aufgetragen, so ist sie gegen die meisten Lösungsmittel resistent. Eine Entfernung ist nur mit Hilfe von speziellen Lösungsmitteln möglich.

 

Zum Einsatz auf elektrischen Kontakten ….

…… wird das Produkt FEREXelectricÂź eingesetzt. 

Beschreibung: FEREXelectricÂź ist ein auf der Basis des bewĂ€hrten Ferex Rapidrostlockerers formulierter Kontaktschutz, der speziell zur Reinigung, Pflege, Reparatur und Entfeuchtung elektrischer Kontakten entwickelt wurde. Das hochwertige Ferex electric beseitigt rasch und zuverlĂ€ssig durch Staub- sowie Öl-, Fett oder Wassereinwirkung entstandene Spannungsverluste.

Merkmale: DarĂŒber hinaus entfernt Ferex electric Oxyd und Sulfid-Schichten von den Kontakten und ist in der Lage, die FunktionsfĂ€higkeit der behandelten Teile wiederherzustellen. Selbst nĂ€ssebedingte Kontaktprobleme wie feuchte ZĂŒndverteiler und ZĂŒndkerzen behebt Ferex electric effektiv. Nach der Behandlung der Kontakte verdunstet Ferex electric restlos und hinterlĂ€sst einen nicht sichtbaren und hochwirksamen Gleitschutzfilm der das Material effektiv und nachhaltig vor
Korrosion schützt. Diese Effizienz zusammen mit einer einfachen, sicheren und sauberen Handhabung machen Ferex electric zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel bei der Wartung, Instandsetzung oder Reparatur von elektrischen Kontakten. Der Anwendungsbereich von Ferex electric ist nahezu unbegrenzt. Es reicht von den elektrischen Anlagen in Kraftfahrzeugen, Bauschmaschinen und Schiffen ĂŒber Anwendungen in HiFi- und HaushaltsgerĂ€ten bis hin
zum Einsatz in industriellen Großanlagen.

Anwendung:
FEREXelectricÂź sollte auf sauberen, trockenen und fettfreien OberflĂ€chen aufgetragen werden. Ist Ferex einmal aufgetragen, so sind die Kontakte lange Zeit vor Korrosion geschĂŒtzt und bieten höchste Kontaktsicherheit.

 

Zum Einsatz auf Andruckrollen und Antriebsriemen ….

…… wird das Produkt LIXTON W1/H/soft eingesetzt. 

Der Spezialreiniger LIXTON W1/H/soft wurde vom renommierten Walzen- und Tonband-Andruckrollen-Hersteller TGW entwickelt.

Anwendung: FĂŒr Profis entwickelt!
Der LIXTON Reiniger ist hocheffizient und ĂŒbertrifft konventionelle ReinigungsflĂŒssigkeiten aus dem Amateurbereich (wie z.B. Isopropanol). Entscheidend ist bei Reinigung einer Andruckrolle oder Antriebriemens, der Schutz des Weichmachers in der Gummimischung. Isopropanol ist dafĂŒr weniger geeignet.

Andruckrollen – Pinch Rollers
Mit wenigen Tropfen W1/H/soft reinigen Sie Ihre Andruckrolle sehr zuverlĂ€ssig. Schmutz, Abrieb, Nikotin und Fett werden bereits nach wenigen Umdrehungen der Andruckrolle und einem WattestĂ€bchen entfernt. Die OberflĂ€che der Andruckrolle oder des Antriebriemens wird leicht angeraut und erhĂ€lt somit eine optimale OberflĂ€che. Bei sehr alten Andruckrollen kann der Reinigungsvorgang 2-3 mal kurz hintereinander durchgefĂŒhrt werden.

Antriebsriemen – Drive Belts
Antriebsriemen können ebenfalls mit wenigen Tropfen W1/H/soft gereinigt werden. Benetzen Sie ein kleines StĂŒck Baumwolltuch oder eine Wattepad. Umgreifen Sie den Antriebsriemen mit dem Pad/Tuch und lassen Sie den Antrieb anlaufen. Der Druck/Spannung sollte nur gering auf den Riemen wirken. Nach 10-15 Umdrehungen ist der Riemen gereinigt.

Professioneller Einsatz
W1/H/soft kommt bei Profis und Semiprofis der Tonbandwelt zum Einsatz. Das Produkt ist auf den professionellen gewerblichen Gebrauch ausgelegt.

 

Hier eine kleine Bildersammlung der kritischen Stellen in der TS1000.

 

Bildrechte:

Blog-Titelbild: Daniel Olah – Unsplash

Bilder im Blog:  Uwe Beis und Heinz D. Schultz 

ZĂ€hlwerksalat – Siemens-Stern und Reflexschranken

GRUNDIG TS1000 ZĂ€hlwerk

Ersatzteile fĂŒr die TS1000 die zweite Runde.

ZunĂ€chst möchte ich mich erneut fĂŒr die vielen Anfragen aus dem In- und Ausland bedanken. Mein heutiger Beitrag wird einigen T1000 Besitzern wieder etwas Hoffnung geben. ZĂ€hlwerksalat, Siemens-Stern und Reflexschranken begleiten Euch in diesem Text. 

Altersbedingt geben fast alle TS1000 ZÀhlwerke Ihren Geist auf. Die zur damaligen Zeit prÀzise gefertigten Kunststoff-ZahnrÀder haben nach nunmehr 43 Jahren den Weichmacher verloren, fangen an zu rattern und hÀngen in irgendeiner Position fest. 

Nach weiteren Recherchen sind davon nicht nur die TS1000 Besitzer betroffen, ein fast baugleiches ZÀhlwerk findet man z.B. in der Philips N4550.   

Original TS1000 ZÀhlwerk   (c) Heinz D. Schultz

 

ZÄHLWERK NACHBAU?

 

Ein solches PrĂ€zisions-ZĂ€hlwerk nachzubauen, zumindest aus Kunststoff, kommt fĂŒr mich nicht infrage. Ein adĂ€quater Ersatz wĂ€re ein elektronischer Nachbau. 

Inspirit von vielen Tonband-Freunden viel mir im September 2018 ein Beitrag zu einem EchtzeitzĂ€hlwerk fĂŒr einen Cassetten-Recorder in die HĂ€nde. Der Entwickler stĂŒtzt sich dabei auf ein Verfahrenspatent der Firma Bosch aus dem Jahre 2001. Er hat das Verfahren geschickt umgesetzt. 

Es lohnt sich wirklich den Beitrag von Stefan Kneller zu lesen. Mit einer mathematischen Exkursion wird klar, daß man solch eine Projektumsetzung nicht einfach mal trivial mit Bauteilen zusammensteckt. Seine Umsetzung berechnet sogar die Banddicke und leitet daraus die Bandzeit ab. Bei seiner Kreation werden auf kleinsten Raum – wir sprechen von Cassetten-Recorder Bandwickel – Reflexschranken verbaut. 

 

(ECHTZEIT)-ZÄHLWERK – MIT BORDMITTELN

 

Nach der Findungsphase mit meinem elektronischen „WeggefĂ€hrten“ und guten Freund Uwe Beis, haben wir uns an die Umsetzung einer elektronischen Version des TS1000 ZĂ€hlwerks herangewagt. Wenngleich ich vorwegnehmen möchte,  „Professor“ Beis ist der geniale Umsetzer!.

Ich habe ihn lediglich mit Umfrage-Ergebnisse vieler TS1000 Besitzer versorgt und er hat es einfach angepackt. 

Wie aus der KapitelĂŒberschrift „MIT BORDMITTELN“ zu entnehmen ist, wollen wir ein ZĂ€hlwerk schaffen, daß mit wenigen Lötaktionen (4 KĂ€belchen) und keinen selbst durchzufĂŒhrenden mechanischen Umbauten, schnell zum Einsatz kommen kann. 

Beim Umbau werden die beiden Taster fĂŒr die Nullstellung und den Autostop an einer vorgewĂ€hlten Stelle erhalten bleiben. Erster wird so programmiert werden, daß zwischen unterschiedlichen Messmodi umgeschaltet werden kann. Die Riemenscheibe die mit dem rechten Wickelteller via Riemen mitlĂ€uft, bekommt eine Reflexscheibe „Siemens-Stern“ aufgesetzt. Zwei Optokoppler werden die eigens entwickelte Elektronik mit der Drehrichtung und der Umdrehungen versorgen. Damit wĂ€re die klassische, ehemals mechanische ZĂ€hlung gewĂ€hrleistet. 

Archivisten, die Ihre BĂŒchlein mit Bandstellen und Musiktiteln gefĂŒllt haben, können diese dann auch wieder finden. 

 

 

ZEITMESSUNG

 

Die Grundig-Entwickler haben sich 1973 vermutlich in weiser Voraussicht schon mit der Messung der Bandwickelgeschwindigkeit auseinandergesetzt. Bei der TS1000 befindet sich in der rechten Umlenkrolle ein „Siemens-Stern“ der einen Reflexschranke bedient. Insider wissen aber auch, daß die Signale lediglich die Information liefern „Band lĂ€uft / Band steht“. Mehr wird nicht ausgewertet.

 

Original TS1000 Umlenkrolle rechts geöffnet mit Siemensstern fĂŒr Reflexlichtschranke    (c) Heinz D. Schultz

 

Die Fertigung der Umlenkrolle, deren OberflÀche und der verbauten Sinterlager, vermeiden ein Durchrutschen (Schlupf) des Bandes.  So kann man diese Informationen in Korrelation mit der gewÀhlten Bandgeschwindigkeit, auch bei hohen Umspulgeschwindigkeiten als ZÀhlimpuls nutzen. 

Diese Impulsinformation wird von einem Mikroprozessor ausgewertet und bringt die Zeitinformation zur Anzeige. 

Messung der Impulse aus der rechten Umlenkrolle (c) Heinz D. Schultz

Original TS1000 Umlenkrolle rechts   (c) Heinz D. Schultz

 

DIE UMSETZUNG

 

Das Grundig ZÀhlwerk hatte ja eine mechanische Bandstellenvorwahl integiert. Fast alle befragten TS1000 Besitzer wollten auf diese Funktion nicht verzichten. 

Um die Funktion zu erhalten, werden Reflexscheiben an den StellrĂ€dern angebracht. Die Positionen werden pro Stellrad mit weiteren 4 Reflexschranken ausgewertet und liefern dem Mikroprozessor die Vorwahlposition. Hierzu ist es erforderlich, die ZahnkrĂ€nze der Kunststoff-StellrĂ€der abzudrehen und mit einer Reflexscheibe zu versehen. Das haptische EinrastgefĂŒhl bleibt vollstĂ€ndig erhalten. 

Die gesamte Steuerelektronik wird im ZĂ€hlwerksrahmen untergebracht werden. Schalt- und Tastfunktionen werden ĂŒber Mikroschalter aus der bestehenden Mechanik ĂŒbernommen werden.

Wichtige Features hier in der AufzÀhlung:

  • Anzeige mit weissen LED-Ziffern
  • ZĂ€hlwerkanzeige im konventionellen, ursprĂŒnglichen Modus
  • ZĂ€hlwerkanzeige im Echtzeitmodus
  • ZĂ€hlerstand bleibt beim Ausschalten der Maschine erhalten
  • Optionale NULL-UnterdrĂŒckung

 

Platinen-Layout   (c) Uwe Beis

Schaltungsentwurf  (c) Uwe Beis

 

ZEITPLAN UND VERFÜGBARKEIT

Die ersten Prototypen werden bis Ende Juli 2019 fertiggestellt sein. MarktverfĂŒgbarkeit ca. Ende September 2019. Alles hĂ€ngt davon ab ob die mechanischen Elemente des alten ZĂ€hlwerks ohne Materialschaden umgebaut werden können. Wir haben 3 Versionen (1975, 1976, 1977) der mechanischen ZĂ€hlwerke unter die Lupe genommen und auch unterschiedliche Alterungsprozesse festgestellt.  

Zur Bereitstellung eines solchen ZĂ€hlwerkes, haben wir uns fĂŒr ein Umbauverfahren entschlossen.

  • Der TS1000 Besitzer mit etwas Lötkenntnissen, kann das alte ZĂ€hlwerk ausbauen, dabei sind 2 Schrauben zu lösen und 4 Litzen abzulöten.
  • Das ZĂ€hlwerk wird zu uns eingeschickt, wir zerlegen es und integrieren die Elektronik, testen und senden das ZĂ€hlwerk nach 3-5 Tagen zurĂŒck an den TS1000 Besitzer.
  • Er muss wiederum 4 Litzen anlöten und das ZĂ€hlwerk festschrauben. 

FĂŒr weniger erfahrene TS1000 Besitzer haben wir einen Versandkoffer fĂŒr die TS1000 bereitgestellt. Die Maschine kommt zu uns in die Werkstatt und wir machen den vollstĂ€ndigen Umbau. 

Die geplanten Preise fĂŒr das neue elektronische ZĂ€hlwerk liegen bei ca. 160 – 175 EUR und bekommt eine Garantie von 2 Jahren. 

Vorabanfragen gerne an mich: hdschultz(@)ts1000.de oder +491726257945

 

NACHTRAG 1

Heute am 6.7.2019 sind die ersten PCB Nutzen (Leiterplatten) geliefert worden. Siemens-Stern und Codierscheiben sind mit schwarz lackierten Leiterplatten umgesetzt worden.

 

PCB Nutzen fĂŒr das TS1000 Digital ZĂ€hlwerk  (c) Uwe Beis

 

NACHTRAG 2

Heute am 13.7.2019 sind die Platinen bestĂŒckt und bereits in den ZĂ€hlwerkrahmen eingesetzt. Die nachfolgenden Bilder dokumentieren den betriebenen Aufwand. 

 

Umbau der Komponenten fĂŒr das  TS1000 Digital ZĂ€hlwerk  (c) Uwe Beis

Siemens-Stern unter der Riemenscheibe fĂŒr das  TS1000 Digital ZĂ€hlwerk  (c) Uwe Beis

RĂŒckseite mit den Aussparungen fĂŒr die Vorwahlplatinen des  TS1000 Digital ZĂ€hlwerk  (c) Uwe Beis

Frontseite  des  TS1000 Digital ZÀhlwerk  (c) Uwe Beis

 

Learnings

Der mechanische Umbau stellt uns vor neue Herausforderungen. Der Kunststoffrahmen des original-ZĂ€hlwerkes muss genutzt werden um die Platine stabil aufzunehmen. Bohrungen in den Rahmen mĂŒssen sehr prĂ€zise durchgefĂŒhrt werden. Ein Teil des rĂŒckwĂ€rtigen RahmenbĂŒgels muss entfert werden. Alles Handarbeit die sehr viel Zeit inanspruch nimmt 🙂

 

Bildrechte:

Blog-Titelbild: Markus Spiske – Unsplash

Bilder im Blog:  Uwe Beis und Heinz D. Schultz 

TS1000 Ersatzteile

TS1000 Ersatzteile

Ersatzteile fĂŒr die TS1000 aus dem 3D-Drucker – Schieberegler, Andruckrollen, Reverse-Bausteine und Drehknöpfe

ZunĂ€chst möchte ich mich fĂŒr die vielen Anfragen aus dem In- und Ausland bedanken. Nicht alle konnte ich in den letzten Wochen pĂŒnktlich beantworten. Es gibt aber Grund genug ĂŒber die Ersatzteilversorgung zur Grundig TS1000 zu sprechen.

 

REGLER-KNÖPFE

Die hĂ€ufigsten Anfragen die mich erreichen, betreffen die Regler-Knöpfe auf der TS1000 Front. Im Laufe der Zeit hĂ€rtet der filigrane Kunststoff aus und schnell brechen die feinen Mitnehmer-Zapfen ab. Bei den Drehknöpfen bricht die HĂŒlse aus und letztendlich muss die TS1000 mit „ZahnlĂŒcken“ ihr Dasein tristen. Hinzu kommt noch das unsachgemĂ€ĂŸe Hantieren bei der Demontage der Frontabdeckung an der TS1000. Leider ist bei vielen TS1000 Besitzern noch nicht angekommen, dass die Schieberegler-Knöpfe mit der Frontplatte verbaut sind, die Drehregler-Knöpfe zur Abnahme der Frontplatte dagegen drauf bleiben können 🙂 

Original TS1000 Schiebereglerknopf – und Grundplatte   (c) Heinz D. Schultz

Original TS1000 Drehreglerknopf defekt- Rohe Gewalt, ausgelöst von schwergĂ€ngigen Friktionen – (c) Heinz D. Schultz

REKONSTRUKTION 

 

Ich habe mich vor einem Monat an die Firma rapidobject in Leipzig gewandt um eine Rekonstruktion der Regler-Knöpfe anzugehen. Technische Zeichnungen und KonstruktionsplÀne der Kunststoffteile existieren nicht in meinem Fundus. Rapidobject hat aber aus meinen eingeschickten Mustern, 3D Volumenmodelle gezeichnet und gestern kamen die ersten 3D-Drucke.

Links der 3D-Druck von Rapidobject – Rechts der Original Knopf   (c) Heinz D. Schultz

Neuer Schieberegler-Knopf mit Grundplatte  (c) Heinz D. Schultz

MULTI JET FUSION

Das von Rapidobject eingesetzte Multi Jet Fusion Verfahren liefert mit der Nachbehandlung durch Trowalisieren eine sehr ansehnliche OberflĂ€chenstruktur. Die zu polierenden Teile werden mit Entgrat- oder Schleifkörpern in Trommeln plaziert. Unterschiedliche Bewegungsmuster sorgen nun fĂŒr eine Abrieb- und Polierwirkung. Dieses gemeinhin „Gleitschleifen“ oder auch „Trowalisieren“ genannte Verfahren eignet sich fĂŒr alle empfindlichen WerkstĂŒcke und komplexen Formen mit einem Gewicht von einigen Mikrogrammen bis zu WerkstĂŒcken von mehr als 500 g. Die Bearbeitungsmethode eignet sich fĂŒr alle Metalle, aber auch fĂŒr den von mir eingesetzten Kunststoff.

 

POSITIVER NEBENEFFEKT

Im 3D-Druck lassen sich keine glatten OberflĂ€chen reproduzieren. In der Kombination mit der Trowalisierung bekommt die OberflĂ€che der Knöpfe eine haptisch ansprechenden „Grip“. Leicht rauh aber trotzdem sehr professionell. Der erste Versuch bleibt positiv in meiner Erinnerung, wenngleich die Mannen / Frauen von rapidobject genau wissen was sie tun. 3D-Druck in dieser QualitĂ€t ist nicht billig, die Erstellung eines CAD-Volumenmodells kostet Zeit. HĂ€tte ich Spritzguss-Modelle bauen lassen, wĂ€re ein Pre-Investment fĂŒr 4 Bauteile in Höhe von 6.000 Euro angesagt gewesen. In meinem Projekt sind es knapp 1000 Euro. 

 

Neuer Schieberegler- und Drehregler-Knöpfe mit Grundplatte  (c) Heinz D. Schultz

Der nĂ€chste Arbeitsschritt ist nun das Anfertigen der ALU-EinlegeplĂ€ttchen am Regler-Kopf. Grundig hat damals schöne Ideen fĂŒr das optische Design umgesetzt. Diese bereiten dem Nachbauer aber Kopfzerbrechen. Ich werde ein Handwerker hier in Dettingen bitten, mir diese Alu-BlĂ€ttchen zu fertigen, vorausgesetzt diese verteuern den Nachbau nicht dramatisch. Alternativ denke ich auch ĂŒber eine Lackierung nach.

Ab Ende April könnt Ihr die Regler-Köpfe dann bei mir beziehen.

ANDRUCKROLLE

Das GeschĂ€ft mit Andruckrollen wird speziell in Deutschland von einigen Platzhirschen belegt. Leider ist die QualitĂ€t der nachgebauten Andruckrollen nicht immer nach den Spezifikationen der Hersteller erfolgt. In mehreren FĂ€llen musste ich erleben, dass eine neue Andruckrolle nach 5-6 Monaten bereits hinĂŒber war, der Gummi porös wurde und die 45-50 Euro dahinflossen. Manchmal scheint es mir so als wĂŒrden die diversen Anbieter auf eBay hier „Halbwertszeiten“ einplanen und einen frĂŒhen Verschleiß provozieren. Immerhin haben die damaligen, direkt vom Hersteller ausgelieferten Andruckrollen, oftmals mehr als 30 Jahre gehalten.  

 

Diese Andruckrolle hat nach 5 Monaten ihren Geist aufgegeben. Tiefe Risse, schlechtes Gummi und schlechter Kleber, ausgetrocknet und spröde.  (c) Heinz D. Schultz

ZURÜCK ZU DEN WURZELN

Ich habe mich im Herbst letzten Jahres dazu entschlossen, die alten Grundig Spezifikationen fĂŒr die Andruckrolle zu beschaffen. Dies ist mir auch gelungen und die Firma TGW hat mir dabei geholfen das Sinter-Bronzelager und die richtige Gummi-Mischung zu reproduzieren.

Der Austausch der Andruckrolle ist nicht schwer, verleiht der TS1000 aber wieder einen vernĂŒnftigen „Geradeaus-Lauf“. Das Band wird wieder prĂ€zise durchgezogen und die Gleichlaufwerte sind wieder wie vor 45 Jahren perfekt.

Aber auch eine Andruckrolle muss gepflegt werden. In vielen ForenbeitrĂ€gen werden waghalsige Reinigungsmethoden, angefangen von Spiritus, Isopropanol, Feuerzeugbenzin, Nagellackentferner, SpĂŒli und Bremsenreiniger diskutiert und als „Hausmittel“ angepriesen.

Neue Andruckrolle von TGW nach den Grundig Spezifikationen – gut fĂŒr weitere Jahre (c) Heinz D. Schultz

 

PUTZKOLONNE

 

Aber warum auf „spirituelle Hexenwerke“ setzen, wenn es Spezialisten gibt, die viele hunderttausend Andruckrollen und Walzen produzieren. TGW hat mir empfohlen den eigens fĂŒr Andruckrollen entwickelten W1/H/soft Lixton anzuwenden. Er greift den Weichmacher der Gummi-Mischung nicht an und entfernt jeglichen Schmutz, selbst das Nikotin einer Pall-Mall die ohne Filter in 10cm Abstand zur TS1000 geraucht wurde.

Neue Andruckrolle von TGW mit dem Spezielrein iger W/H1/soft Lixton  (c) Heinz D. Schultz

Achtet bei der Reinigung peinlich genau darauf, die ReinigungsflĂŒssigkeit vom Sinter-Bronzelager fernzuhalten. Die Sinterlagerölung vertrĂ€gt das nicht. Experten wissen, dass ein Nachölen von Sinter-Bronze Lagern nicht möglich ist, trotzdem fallen viele Tonbandfreunde auf diverse Angebote rein und kaufen sich ein FlĂ€schchen Sinterlager-Öl. Ich kann nur empfehlen dieses Geld in einen leckeren Salat und gutem Olivenöl aus SĂłller zu investieren. Ihr habt dann mehr davon 🙂

 

AUTOREVERSE-ELEKTRONIK

 

Mit ĂŒber 40 Anfragen zum Autoreverse-Betrieb der TS1000 haben mich ĂŒberzeugt den Elektronikbaustein neu aufzulegen. Ich wollte die Elektronik auf der Zusatzplatine, die damals zusammen mit dem Autoreverse-Kopf ausgeliefert wurde, nach modernen Fertigungsmethoden in SMD Technik umsetzen zu lassen. Mein alter WeggefĂ€hrte Uwe Beis, hat die Schaltung rekonstruiert und nach Beschaffung der geeigneten Steckerleisten und Bauteile, ĂŒber einen Prototypen nun auch der Produktion ĂŒbergeben. Ende April 2019 sind die ersten 50 Platinen bestĂŒckt und können bei mir bezogen werden. Die Platine ist so gefertigt, dass ein falsches Einstecken nicht die Capstan Elekronik abschießt. Das hatte ich auch in meinem Blogbeitrag „Smoke on the Water“  erwĂ€hnt.

Neue Autoreverse-Platine in SMD Technik  (c) Heinz D. Schultz

Neue Autoreverse-Platine in SMD Technik auf den Capstan.Baustein  (c) Heinz D. Schultz

 

Mit der neuen Platine habt ihr auch die Garantie, dass die Endabschaltung und Laufrichtungs-Umkehr mit dem richtigen Timing vonstatten gehen. Die schwere Schwungmasse wird gebremst und lĂ€uft erst nach Stillstand in die andere Richtung. Das schont den Antriebsriemen und die Ohren. Denn die TS1000 jault nicht hoch. Die Platine kann in jeder TS1000 nachgerĂŒstet werden und funktioniert auch dann wenn nur ein 4-Spur oder 2-Spur-TrĂ€ger aufgesetzt ist – dann jedoch nur in eine Richtung. 

Die Platine ist Ende April verfĂŒgbar und kostet ca. 49 Euro.

 

Bezugsquellen:

Andruckrolle TS1000:  https://heroms.com/hifi-komponenten/10014-andruckrolle-fuer-grundig-ts1000

 LIXTON W1/h/soft Andruckrollen-Reiniger:  https://heroms.com/spezialreiniger/10008-w1/h/soft-spezial-reiniger-38-ml-in-alu-flasche

Regler-Knöpfe und Autoreverse-Platine demnÀchst hier: https://heroms.com/hifi-komponenten/

Bildrechte:

Blog-Titelbild: Kotagauni Srinivas – Unsplash

Bild im Blog: Heinz D. Schultz 

TS1000 – Capstan Antrieb | Im Vergleich zu Revox A77 und B77

TS1000 Capstan Antrieb im Vergleich

In meinem August Beitrag „Smoke in the water“ habe ich mich zu den Gleichlaufschwankungen einiger BandgerĂ€te geĂ€ußert. Aus dem eigenen Freundeskreisen hat sich nun Uwe Beis zu Wort gemeldet um die Fraktion Revox ehrenhaft zu vertreten. Uwe hat mit seinem Freund Sonny Schneid lange Jahre an Audio-Projekten gearbeitet und 2015 haben wir zu dritt das Kickstarter-Projekt „ADICON“ durchgezogen.

Der Tonwellenmotor der Grundig TS1000 mit Reversebaustein und KopftrÀger 437 (c) Heinz D. Schultz

TS1000 | Revox A77 | Revox B77

Hier eine kurze Zusammenfassung von Uwe zu den unterschiedlichen Regelverfahren:

TS1000

Die 4-phasige Ansteuerung erlaubt, dass immer 2 Wicklungen mit positiver Spannung angesteuert werden, wĂ€hrend die anderen beiden Wicklungen frei sind und eine negative Spannung proportional zur Drehzahl und unabhĂ€ngig von der Last erzeugen. Die negativste davon wird im TS1000 ĂŒber D1 bis D4 abgenommen und mit der Sollspannung verglichen, so dass Solldrehzahl = Sollspannung = Istspannung = konstant bleibt.

Schaltung des Grundig TS1000 Capstanantriebs (c) Heinz D. Schultz

Revox A77 und B77

Auf dem Capstan-Motor eingefrĂ€ste ZĂ€hne erzeugen ĂŒber eine Art Tonkopf eine zur Drehzahl proportionale Frequenz (800 bzw. 1600Hz).

In der A77 Mk1&2 wird ĂŒber einen Phasendiskriminator (eine Art Frequenzdemodulator mit einem Schwingkreis) eine Drehzahl-abhĂ€ngige Spannung erzeugt, die sowohl positiv als auch negativ sein kann und bei korrekter Drehzahl nahezu Null (genauer: 0,8 V) ist.

Schaltung der A77 (c) Heinz D. Schultz

In der A77 Mk3 und B77 wird statt des relativ aufwÀndigen Schwingkreises eine Frequenzdiskriminator-Schaltung mit Halbleitern (im Kern eine NE555) verwendet.

Prinzipiell ist die SpannungsĂ€nderung pro DrehzahlĂ€nderung mit Schwingkreis deutlich höher und zuverlĂ€ssiger als die der vom Motor generierten Spannung, je nach Magnet-Werkstoff nicht zuletzt möglicherweise auch durch einen relativ hohen Temperaturkoeffizienten. Fast nur die QualitĂ€t des Schwingkreises bestimmt die Langzeit-Konstanz der Drehzahl, und diese QualitĂ€t ist von Natur aus vergleichsweise einfach zu erzielen. Aber wie gesagt: „Fast nur…“.

 

Schaltung der B77 (c) Heinz D. Schultz

SpĂ€tere GerĂ€te wurden mit PLLs und Quarzoszillatoren geregelt. Damit die Regelung schnell reagieren kann, mĂŒsste auch bei denen die Drehzahl höherfrequent abgenommen werden (-> „Zahnrad“), hat dann aber eine Langzeitkonstanz, die 10er-Potenzen besser als die anderen Verfahren ist.

Umgekehrt gibt es auch noch einfachere Lösungen: Z. B. bei einem einfachen DC-Motor ist der Strom weitgehend proportional zum Drehmoment und die Drehzahl sinkt proportional zu beidem. Mit einer einfachen Schaltung kann man bei steigendem Motorstrom die Motorspannung genau in dem Maße erhöhen, dass die Drehzahl weitgehend unabhĂ€ngig von der Last und damit konstant bleibt. Technisch gesprochen: Die Spannungsquelle fĂŒr den Motor hat einen negativen Ausgangswiderstand, der den positiven Innenwiderstand des Motors kompensiert. Ein Beispiel dafĂŒr weiß ich aber nicht.

Copyright des Titelbildes liegt bei Fancycrave auf Unsplash

Der Autor dieses Beitrags

 

Uwe Beis

Uwe Beis

Jahrgang 1951, erstes Interesse an Elektronik und Musik (Beatles natĂŒrlich) im Alter von 10 Jahren. Unter anderem baute ich sehr frĂŒh einen RöhrenverstĂ€rker. Nach dem Studium der Elektrotechnik arbeitete ich mehr als 30 Jahre lang als Hardwareentwickler im Bereich Videosicherheitstechnik. Die Audiotechnik verlor ich dabei nie aus den Augen und seit einigen Jahren befasse ich mich wieder intensiv mit ihr. Das fĂŒhrte zu mehreren interessanten Produkten, einer Partnerschaft mit Sonny und schließlich zu SSB AUDIO. Nebenbei: Ohne Musik kann ich nicht leben!

Ein Besuch auf meiner Website lohnt sich immer.

TS1000 spielt auf SONOS

TS1000.DE Grundig TS1000 spielt auf SONOS

Es könnte natĂŒrlich auch heißen, REVOX B77, TANDBERG TDA 20, u.v.a TonbandgerĂ€te aus der goldenen Ära der analogen Audio Welt spielen auf SONOS.

Im Laufe der Zeit hat sich mein Hörverhalten im Haus verĂ€ndert. Die Kinder sind lĂ€ngst ausgezogen, die großen Boxen von POLK, Wigo, Electro Voice und JBL sind verkauft oder tristen Ihr Schattendasein im Hobbyraum, der Garage oder stehen gut verpackt irgendwo.

Seit gut 5 Jahren ist mein Haus mit SONOS unter Sound gestellt. Im Wohnzimmer regieren zwei Play 3 und der SONOS Subwoofer als Tonlieferanten. Im Fernsehzimmer eine SONOS Beam und in den ĂŒbrigen RĂ€umen entweder SONOS Play One oder Play 5. Im Dachstudio heizt der SONOS AMP zwei meiner alten POLK Standlautsprecher an.

Gesteuert wird die Anlage mit dem Smartphone. Meine Streaming-Dienste sind TIDAL-HiFi, Apple Music, Amazon Music und ein knapp 1 Terrabyte Festplatten-Sammelsurium von digitalisierten, eigenen CD’s und vielen Original Aufnahmen. Darunter auch StartgerĂ€usche meiner 20 Jahre alten Harley Fat Boy oder das 31 Jahre alte Baby-Geplappere meiner beiden Söhne.

Jedoch hatte die gesamte Konstellation mit SONOS einen entscheidenden Haken:

 

Was mache ich mit meiner Bandmaschinen oder dem Plattenspieler?  Beide GerĂ€te stehen bei mir im Dachstudio und sind weit entfernt von den „HörplĂ€tzen“ die ich inzwischen neu entdeckt habe.

 

SONOS und Raspberry Pi

Ich war schon immer fasziniert von dem kleinen Rechenwunder Raspberry PI, hatte aber außer der Haussteuerung keinen wirklichen audiophilen Bedarf. Ein Projekt auf „Instructables“ hat mich bewegt an das Projekt heranzugehen. Hier findet Ihr auch eine ausgezeichnete Schritt-fĂŒr-Schritt Anleitung zum Software-Setup.

Zielsetzung

Meine GRUNDIG TS1000 soll ĂŒber das SONOS System hörbar werden. Insider werden anmerken, dass man dies natĂŒrlich mit einer SONOS Play 5 mit analogem Stereoeingang oder einem SONOS Connect realisieren kann, das hĂ€tte aber eine zusĂ€tzliche Anschaffung der SONOS Komponenten bedeutet. Zudem steht die Bandmaschine derzeit nicht neben einer dieser SONOS Bausteine.

Ich wollte aber, wenn ich mich schon an ein solches Projekt heranmache, eine Lösung die einfach, robust und auch die Fernsteuerbarkeit der TS1000 ermöglicht. Folgende Funktionen sollten in der Lösung vorhanden sein.

Remote-Steuerung

  • Ein/Ausschalten der Bandmaschine via Smartphone
  • Start / Stop und Pause, Vor- und ZurĂŒckspulen

Audio-QualitÀt

  • Streaming in HiFi QualitĂ€t an SONOS
  • Streaming in HiFi QualitĂ€t an jedes beliebige Soundsystem
  • Streaming auch außerhalb meines Hauses, z.B. am Urlaubsort oder im Hotel via Internet
  • Sampling Frequenz 44.1 Khz bei 16 Bit in Stereo
  • Streaming 320 Kbps Stereo-MP3-Stream

Design

  • Kein externes zusĂ€tzliches GehĂ€use oder Steckernetzteil
  • Einbau in die TS1000

Investitionssumme

  • Maximal 150 EUR

 

Diese “Pflichtvorgaben” waren nicht ohne. Aber mit etwas elektronischem und programmiertechnischen Aufwand lösbar.

Raspberry Pi 3+, Schaltnetzteil, und Relaisbaustein  (c) Heinz D. Schultz

 

Folgende Komponenten habe ich angeschafft respektive werden benötigt

  • Raspberry PI 3 Modell B+ (1,4 GHz 64-Bit ARM Cortex-A53 Quadcore  CPU, 1GB RAM, WLAN, Blutooth)
  • Speicherkarte 8 GB microSDHC Class 4
  • Ein Desktop oder Laptop-Computer mit microSD-Kartenleser
  • Monitor oder TV mit HDMI-Eingang (nur fĂŒr die Erstinstallation)
  • USB oder Bluetooth-Tastatur und Maus (nur fĂŒr die Erstinstallation)
  • Behringer U-Control UCA202 externe USB-Soundkarte (hat Stereo-RCA-EingĂ€nge kostet ca. 35 Euro)

FĂŒr den Einbau in die TS1000

  • Schaltnetzteil mit stabilisierten 5 Volt Ausgang und gute Abschirmung
  • Raspberry Schalt-Relais 1 Kanal
  • Raspberry GPIO-Erweiterung mit Optokopplern und galvanischer Trennung zur Fernsteuerung der Laufwerkfunktion

Software

NOOBS, Darkice und icecast2 sind Open Source, die TS1000 Steuersoftware lÀuft auf dem Raspberry FLASK Webserver. Programmiert unter Phyton und kostenpflichtig. Die Programmierung hat mir allerdings sehr viel Zeit gekostet, Phyton und die Ansteuerung der GPIO Ports musste ich erst erlernen.

 

Umsetzung

Ich habe in der Umsetzung des Projektes die Anleitung des Autors auf Instructables gehalten. Installation, Feinabstimmung und das Erstellen der Konfiguratioinsdatei fĂŒr den Streamingserver haben mit allen Vor- und ZurĂŒck-Aktionen ca. 5 Stunden verschlungen.

Danach war die TS1000 schon auf SONOS im ganzen Haus zu hören. Da mein Router (Fritzbox) ĂŒber eine DYNDNS Adresse auch von außerhalb zu erreichen ist, wollte ich das auch gleich im BĂŒro ausprobieren. Dort habe ich noch kein SONOS. Aber mit der Eingabe der IP Adresse: http://meine-fritzbox.de:8000/ts1000.mp3 kann man die Bandmaschine auch außerhalb meines Hauses hören.

Das funktioniert ĂŒbrigens auch im Auto mit Carplay.

Bei der TS1000 ist die Dokumentation zur Fernsteuerung #439 im Servicemanual vorhanden. Diese ist recht einfach mit einer GPIO Lösung mit Optokopplern zur galvanischen Trennung umsetzbar. Die Ansteuerung erfolgt ĂŒber ein kleines Web-Interface mit den Tast-Funktionen:

  • TS1000 an/aus
  • > Start
  • Pause
  • Stop
  • >> Vorspulen
  • << RĂŒckspulen

Die Fernsteuerung der TS1000 ist jetzt mit dem Aufruf der Webapplikation via URL: http://meine -fritzbox.de:8080/TSremote ansteuerbar. Die RĂŒckmeldung des Betriebszustandes wird im Web-interface angezeigt.

Meine Lösung setzt natĂŒrlich voraus, dass der Webserver respektive der Raspberry immer an und erreichbar ist. Durch die geringe Leistungsaufnahme des Raspberrys betrieben am Schaltnetzteil stört mich das auch nicht.

 

 

Zusammenfassung

Nach der Umsetzung des Projektes stellen sich immer wieder neue Herausforderungen. So bin ich heute noch nicht ganz mit der Fernsteuerung zufrieden. Eine Integration in die SONOS App dem SONOS Controller wÀre ein Punkt auf meiner Wunschliste.

Die Behringer Soundkarte ist auch nicht unbedingt der Hammer. Diese möchte ich mit einer Lösung von Uwe Beis (beis.de) AD24QS und DA2USB ersetzen und der TS1000 dadurch auch gleichzeitig einen Digitalen Ausgang (TOS, RCA und USB) verbauen.

Das Sounderlebnis und das gute GefĂŒhl meine analoge TS1000 ins digitale Streaming Zeitalter mitgenommen zu haben ist schon ĂŒberwĂ€ltigend. Es hat sich gelohnt!

Viel Spass beim Nachmachen.

P.S.: Ich habe die Anleitung von Instructables ins Deutsche ĂŒbersetzt. Auch wurde das Config-File auf meine QualitĂ€tsansprĂŒche angepasst und optimiert. Falls Ihr Interesse an einem vollstĂ€ndigen Software-Setup (außer der TS1000 Steuerung) habt, kann ich das gegen Kostenersatz liefern. Schreibt mir einfach ein Nachricht an info@ts1000.de.

 

Bildrechte im Blog: Heinz D. Schultz 

TS1000 Mythos, Legende, TrĂ€ume, Glas-Ferrit Tonköpfe und 38cm/s – (K)eine Weihnachtsgeschichte

TS1000-Mythos 38cm

Das Jahr neigt sich dem Ende. Es ist viel geschehen im sich verabschiedenden Jahr 2018. Viele von Euch wissen ja durch viele Emails, Telefonate und persönliche GesprĂ€che, dass meine Leidenschaft zur TS1000 seit ĂŒber 44 Jahren ungebrochen ist. Trotz perfektionierter Digitaltechnik, Streaming-Technologien, Alexa, Siri und dem Trend zum Minimalismus, gibt es noch Liebhaber der analogen Tonbandtechnik.

Mehrere Gruppen auf Facebook, Diskussionsrunden in Foren und Treffen im realen Leben, vereinen die Leidenschaft zu den Spulendrehern. NatĂŒrlich sind unter den geschĂ€tzten 3000 Fans alleine in Deutschland, nicht nur TS1000 Liebhaber. Revox, Akai, Tascam, Teac, Tandberg, Pioneer, Telefunken, Uher, Sony, Technics u.v.a. sind kreuz und quer vertreten und die Marken ihrer TonbandgerĂ€te werden auch in „BenzingesprĂ€chen“ verteidigt.

Im RĂŒckblick möchte ich gerne auf ein paar Erlebnisse eingehen, die mir im Herbst dieses Jahrs viel Freude bereitet haben.

GRUNDIG TS1000 mit 38cm/s

Ja, es gibt und gab sie, die TS1000 mit der Bandgeschwindigkeit 38cm/s. Wenn auch nur als Labormuster aber immerhin war das Labormuster schon sehr nahe an der Serie dran.

Der Tonwellenmotor der Grundig TS1000 . 38 cm/s – Direct-Drive (c) Heinz D. Schultz

Ein direkter Capstan Antrieb und eine quarzstabilisierte Motorsteuerung fĂŒr die Geschwindigkeiten 9,5 cm/s,  19,25cm/s und 38cm/s sind in der TS1000 von Herrn Eduard G. aus Eggolsheim verbaut. Der liebenswerte KĂŒnstler und Liebhaber der analogen Audiotechnik und auch Fotografie, hat mich nach einer durchgefĂŒhrten Netzteil-Revision ĂŒber die Existenz dieses Labormusters informiert. Die Aufnahmen belegen, dass sich die Grundig Techniker intensiv mit der Forderung einiger Liebhaber auseinandergesetzt haben, auch höhere Bandgeschwindigkeiten anzubieten. Die Tauschbarkeit der TonkopftrĂ€ger und der Einsatz von 2-Spur TrĂ€gern kam wohl schon von einem der cleveren Vordenker im FĂŒrther TS1000 Entwicklungslabor von Herrn Schaller. 

Direct Drive Capstan (c) Heinz D. Schultz

Spannend am Labormuster ist der mechanische und elektronische Aufbau. Als Capstan Direktantrieb kam ein Motor zum Einsatz wie er damals in Direct-Drive Plattenspielern verbaut wurde. Der Motor wurde durch die Motorsteuerung fĂŒr ein robustes Drehmoment ausgelegt. Das belegt die Batterie der Leistungstransistoren BD177. Eine Drehzahlstabilisierung, natĂŒrlich quarzgesteuert, fĂŒr die Geschwindigkeiten 9.5cm/s bis 38cm/s funktioniert tadellos. Ich konnte Gleichlaufschwankungen von unter 0,003% messen. Sehr schön integriert ist auch eine Kontroll-Leuchte im Geschwindigkeitsregler. Eine kleine LED signalisiert das Erreichen der genauen Geschwindigkeit.

TS1000 – 38 cm/s Leistungstransistoren fĂŒr den Direct-Drive   (c) Heinz D. Schultz

Mechanisch ist der Direktantrieb in einem vollstĂ€ndig abgeschirmten MetallgehĂ€use dort verbaut, wo ĂŒblicherweise die große Schwungmasse der SeriengerĂ€te regiert. Die Motorachse ist etwas grĂ¶ĂŸer als die Serie. Um das Achspendeln zu verhindern, wurde eine Achsjustierung installiert. Diese verhindert das axiale Spiel und sorgt nebenbei fĂŒr Laufruhe im Turbogang. Die Andruckrolle ist 1:1 Serie und auch hier mit hochwertigem Sinterlager gefertigt. Lediglich der Druckpunkt wurde aufgrund des grĂ¶ĂŸeren Achsdurchmessers um 2,8mm nach hinten versetzt.

Der erste Hörtest mit 38cm/s und wohlbemerkter 4-Spur Aufzeichnung haben sehr beeindruckt.

Die Serienmaschine hat bei 19 cm/s – Viertelspur 64dB (mit Dolby 72 dB) GerĂ€uschspannungsabstand ohne Dolby geliefert. Die Maschine hier hat es bei 38 cm/s auf 69 dB geschafft.

Mit testweise eingesteckten Dolby-Platinen konnte dieser Wert um weitere 8dB auf 77 dB gepusht werden. Die Höhendynamik bei der Serien-Schwester liegt bei 54 dB, die Höhendynamik dieser Maschine bei 74dB, Tiefendynamik bei 54 dB (Serie 50dB bei 19 cm/s)

Die Maschine von Eduard G. steht nun in der ts1000.de Werkstatt und wird in den nĂ€chsten Tagen einer kleinen Revision unterzogen. Die beste Gelegenheit, ausfĂŒhrlicher hinter die (Platinen) Kulissen zu schauen.

Bildergalerie TS1000 -38 cm/s -Direct Drive Capstan von Eduard G. aus Eggolsheim  (c) Heinz D. Schultz

Glas-Ferrit Tonköpfe und Kurzhubtasten

Im SpĂ€therbst entstand der ebenfalls nette Kontakt zu Wolf P. aus Eckental. Wolf war sehr lange bei Grundig in der Fertigung/Entwicklung beschĂ€ftigt und verfĂŒgt noch heute ĂŒber ein sehr prĂ€zises Wissen um die Entwicklungsphasen der TS1000. Er hat auch die Höhen und Tiefen bei Grundig miterleben dĂŒrfen.

Schnell und vermutlich auch mit einem Funkeln in den Augen, hat er mir von der Entwicklung eines KopftrÀgers mit Glas-Ferrit Köpfen berichtet.

TS1000 4-Spur KopftrÀger mit Matushita Glas-Ferrit Köpfen HPF WT451 von Wolfgang P. aus Eckental  (c) Heinz D. Schultz

Ich konnte das zu Beginn unserer Email Konversation fast nicht glauben, aber die mir zugeschickten Bilder haben mich begeistert. TatsĂ€chlich hat Grundig KopftrĂ€ger in der Planung gehabt die mit den verschleißfreien Glas-Ferrit Köpfen der Firma Matushita (Technics/Panasonic) ausgestattet werden sollten. Wolf P. verfĂŒgt ĂŒber so einen KopftrĂ€ger.  Sehr prĂ€zise eingearbeitet und wie ich vermute auch via der existierenden Entzerrer- und Vormagnetisierung-Elektronik der TS1000, klanglich perfekt abgestimmt.

TS1000 4-Spur KopftrÀger mit Matushita Glas-Ferrit Köpfen HPF WT451 von Wolfgang P. aus Eckental  (c) Heinz D. Schultz

Auch die Maschine von Wolf P. hat zur Laufwerksteuerung Kurzhubtasten verbaut. Genau wie bei der Maschine von Eduard G. zu sehen, wollten sich die Konstrukteure von den Sensortasten der Laufwerksteuerung verabschieden. Man wollte der aus meiner Sicht unverstĂ€ndlichen Kritik der HiFi-Journalisten Paroli bieten und hĂ€tte wohl in den zukĂŒnftigen Serienmaschinen die sehr zuverlĂ€ssigen Sensortasten zu Grabe getragen

Beide Geschichten haben mich auch etwas bewegt. Der Untergang der Firma Grundig die in den Spitzenzeiten 38.500 Mitarbeiter beschĂ€ftigte und das Leben von Max Grundig sind in zwei Artikel aus den Jahren 2010 und 2016 in der SĂŒddeutschen nĂŒchtern zusammengefasst. Autor beider Artikel ist Uwe Ritzer.

Der Untergang eines Patriarchen – Artikel von Uwe Ritzer 17. Mai 2010

Grundig verabschiedet sich aus NĂŒrnberg – Artikel von Uwe Ritzer 11. April 2016

Auf jeden Fall sind die beiden Prototypen oder Werksmuster der TS1000 nicht aus dem 6. Stock von Max Grundig zum Fenster hinausgeworfen worden. Eduard G und Wolf P. sind glĂŒckliche Besitzer dieser Entwicklungs-Zeitzeugen. Gerne stelle ich bei den beiden sympathischen Herren den Antrag auf ein Vorkaufsrecht, damit der Erhalt dieser exklusiven Technik dauerhaft gesichert wird.

Wie geht es weiter?

BestĂ€rkt von den vielen positiven GesprĂ€chen und Erlebnissen, werde ich mit TS1000.de und dem Team dahinter, natĂŒrlich dran bleiben. Derzeit lassen wir von sehr erfahrenen Handwerkern Ersatzteile fĂŒr die TS1000 fertigen. Eine neue getönte Plexiglasabdeckung fĂŒr den VU-Meter- und ZĂ€hlwerkausschnitt der TS1000 wird hier in Dettingen von Schaufler gefertigt.

Die Andruckrolle nach den Werksvorgaben von Grundig, wird von TGW in Emmendingen – dort werden/wurden auch die Revox/Studer Andruckrollen produziert – mit hochwertigen Sinterbuchsen exklusiv fĂŒr ts1000.de hergestellt.

Ein Spezial-Andruckrollen-Reiniger von TGW, der das Gummi der Andruckrolle und des Antriebsriemens nicht austrocknet oder den Weichmacher killt, aber Nikotin, Fett, Bandabrieb und sonstigen Schmutz zielgerichtet entfernt, anschließend die GummioberflĂ€che leicht anraut, ist nun in kleinen Gebinden lieferbar.

Mit diversen Repair-Kits fĂŒr Netzteile und der Capstan-Elektronik versuchen wir das Sortiment mit selektierten Bauteilen nach den Werksvorgaben von Grundig zu ergĂ€nzen. Spezialfette wie das Molykote EM-30L oder das Molykote BG-20 zur Schmierung von Kunststoff/Metall oder Metall/Metall Friktionen ist ja schon lange im Programm meines kleinen Repair-Shops.

Ein altbekanntes Problem der abgebrochenen Regler und Drehknöpfe lösen wir ab Januar / Februar 2019 mit einer handwerklichen Lösung aus eloxiertem Aluminium. Ein kleiner Handwerksbetrieb hier in Dettingen fertigt die Knöpfe und Regler fĂŒr uns. Wir werden die Regler und Knöpfe als komplettes Kit anbieten und werten somit das Erscheinungsbild der TS1000 wieder auf.

Sonderanfertigungen und Umbauten fĂŒr die Digitale Welt mit Streaming-Server und Remote-Steuerungen via dem Raspberry Pi, VU-Meter Modifikationen mit LED- und TFT Technik sowie der Einbau von EchtzeitzĂ€hlwerken werden fortgesetzt.

In diesem Sinne verbleibe ich mit einem herzlichen Dank an alle TS1000 Fans.

Bildrechte Titelbild: Simon Matzinger 185073 unsplash.com
Bildrechte im Blog: Eduard G.,  Wolf P., Heinz D. Schultz 

Ein Nachtrag zur TS1000 – 38 cm/s

Im April 2019 ist die TS1000 – 38 wieder an den Besitzer Eduard G. zurĂŒckgefĂŒhrt worden. Einige kleine Reparaturen, ein neues ZĂ€hlwerk und eine optische Auffrischung verleihen dem Labormuster neuen Glanz und WĂŒrde. 

Das TS1000.DE Team blickt traurig hinterher…….  Aber wir bleiben in freundschaftlichen Kontakt 🙂

TS1000 – Capstan Antrieb | Smoke on the Water

Titelbild von Étienne Beauregard-Riverin
Nach nunmehr 8 Monaten Sendepause fange ich jetzt mal wieder an etwas auf meinem TS1000 Blog zu schreiben. Insider und engste Freunde wissen, dass ich selbst einige Ersatzteil aus Titan – keinen Capstan – bekommen habe und nun die tĂ€gliche Strecken-Leistung auf 12km pro Tag halten und stetig ausbauen kann. Mein Hund Johnny ist wieder glĂŒcklich.

Da die Tage wieder kĂŒrzer werden ist nun der richtige Zeitpunkt angerĂŒckt, sich wieder den vielen Grundig TS1000 zu widmen.

In diesem Beitrag möchte das Herz der TS1000 nÀher beleuchten. Der Capstan-Antrieb ist der elektromechanische Kern der Maschine.

Der Tonwellenmotor der Grundig TS1000 mit Reversebaustein und KopftrÀger 437 (c) Heinz D. Schultz

VorwĂ€rts / RĂŒckwĂ€rts = Autoreverse

 

Grundig hat den elektronischen Teil des Capstan Antriebs recht solide aufgebaut. Die Motorsteuerung und der Gleichstrom Servo-Motor sind auf einer kleinen Platine fest verankert. Mit der Herausforderung einen Autoreverse-Betrieb zu bieten, haben die Entwickler eine robuste und dennoch einfache Motorregelung implementiert. Kein Quarz oder UnterstĂŒtzung von Tachogeneratoren wurden verbaut, nein man hat auf Spannungskonstanz gesetzt und das Drehmoment mit Strom nachgesteuert.

Durch die einfache Schaltung hat man erreicht, Temperaturunterschiede weitgehend zu eliminieren. Bei den Revoxen und einigen Japanern war das nicht immer so einfach und Geschwindigkeits-Toleranzen von +/- 5-10% lagen an der Tagesordnung. Je wĂ€rmer umso schneller….

Der solide Gleichstrommotor auf der Platine – revidierter Zustand  (c) Heinz D. Schultz
Bevor Ihr beginnt die Motorsteuerung und die Geschwindigkeitsregelung zu revidieren, solltet Ihr Euch eine Bezugsband herstellen. Ich bin bei der Produktion eines Geschwindigkeits-Bezugsbandes recht pragmatisch vorgegangen.

 

Neues Band kaufen!

 

Ein nagelneues RTM Band mit 100m LĂ€nge wurde auf einer 18er Spule konfektioniert. Keine Fettfinger oder Schmutz auf dem Band sind Voraussetzung fĂŒr einen vernĂŒnftigen Start. Mit dem konfektionierten Band habe ich dann ein Eingangssignal mit 1000Hz bei 4,75cm/s, 9,25cm/s und 19 cm/s jeweils 5 Minuten aufgenommen. Das habe ich natĂŒrlich bei einer exakt eingemessenen TS1000 gemacht.

 

Meine Messbasis (TS1000 Maschine) heißt bei mir „PAUL“.

BandlĂ€ngentabelle fĂŒr das Bezugsband (c) Heinz D. Schultz
Zum Einsatz kommt bei mir ein Funktions-/Ton Generator von UNI-T. Dieser hat auch einen FrequenzĂ€hler-Eingang. Über den Eingang können wir dann das Wiedergabesignal der TS1000 messen.
Mein Funktionsgenerator – gĂŒnstiges Modell von UNI-T  (c) Heinz D. Schultz

Los geht es!

 

TS1000 „Paul“ in den Aufnahme Modus schalten, Geschwindigkeit 4,75 cm/s, Generator 1000Hz bei 0,5 mV Sinus-Signal Ausgangs. DIN Eingang bei „Paul“ auf 0dB aussteuern und 5 Minuten (300 Sekunden) aufzeichnen. Wiederholung fĂŒr 9,25 cm/s und 19 cm/s. Nun habt Ihr eine sauberes – minimalistisches – Bezugsband zur Justierung der korrekten Bandgeschwindigkeit. Ihr solltet dieses Band hĂŒten wie Euren Augapfel. Im Laufe der Zeit werdet ihr ab und an darauf zurĂŒckgreifen mĂŒssen. Falls Ihr nicht ĂŒber ein solches Band verfĂŒgt, respektive keine sauber justierte Maschine mehr habt, schreibt mir kurz.

Grubenarbeit – Vorsicht Staub und Schmutz

 

Ich bin ein Freund von effektiven Restaurationen und versuche Kosten/Nutzen in einem Gleichgewicht zu halten. Um einen Motorsteuerung auf Vordermann zu bekommen, solltet ihr Elkos, Tantals und den einen oder anderen Leistungstransistor austauschen vorausgesetzt er weicht von den Nennwerten ab. Die Trimmer auf den Motorsteuerungsplatinen sind zum Großteil hinĂŒber und durch Korrosion und Staubbelag (Nikotin) nicht mehr vernĂŒnftig einzupegeln.

Hier die Platine vor der Revision – Trimmer sind hinĂŒber  (c) Heinz D. Schultz

Ran an den Speck.

 

In den beiden Bildern seht ihr eine alte und eine revidierte Motorsteuerungsplatine. Die Tantal-Elkos ersetzte ich fast immer gegen sehr gute selektierte Elkos. Habe auch bis heute nicht verstanden weshalb Grundig zu damaligen Zeiten Tantals verbaut hat. Tantals neigen im Laufe der Zeit zu Mikro-KurzschlĂŒssen, heilen aber wieder. (Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Tantal-Elektrolytkondensator)

Speziell auf der Motorsteurungsplatine setze ich Elkos die 105Âș vertragen ein. Die KĂŒhlbleche der Leistungstransistoren heizen sich mit bis zu 45-55 Grad auf, hier wird es also auf kleinem Raum immer sehr warm.

Bei den Trimmern verwende ich gekapselte Bauteile von ACP. Staub und Ablagerungen sind tabu. Die Werte sind 500 Ohm (2x), 1K und 2.5KOhm. NatĂŒrlich gehen auch Piher Trimmer.
APC Trimmer – Staubdicht (c) APC Spain

Nach einer grĂŒndlichen Reinigung der Platine, geht es an den Zusammenbau. Bevor Ihr aber an den mechanischen Einbau geht, solltet Ihr die Spannungsbandbreite justieren. Hierzu wird der ausgelagerte Transistor (Texas GD204) auf eine Arbeitsspannung von 17 Volt mit dem Trimmer  R29 justiert. Mit dieser Einstellung erhalten die Trimmer R20, R22 und R24 fĂŒr die jeweiligen Geschindigkeiten ausreichend Regelspielraum.

Platinenlayout des Tonwellen-Motor Bausteins – Blick von der Lötseite – Messpunkte A & B sowie Trimmerpositionen (c) Heinz D. Schultz

Zur Messung stellt die Bandgeschwindigkeit am Frontschalter auf 19cm/s. Die Maschine muss sich im Stop-Modus befinden. Nun wird die Arbeitsspannung zwischen Messpunkt A und B auf 17 Volt eingestellt.

Im nĂ€chsten Schritt verbindet Ihr den Capstan-Antrieb mit der großen Antriebs-Metallplatte. Der Leistungstransistor sollte unbedingt mit einer Glimmerunterlage aufgeschraubt werden. Aufschrauben mit entsprechendem Drehmoment „fest“ ist wichtig. Der Bursche hat viel Hitze abzugeben. Wie man den Antriebsriemen effektiv aufsetzt, berichte ich in einem weiteren Blog-Post.

Sind nun Capstan-Antrieb und der mechanische Teil fest verschraubt, geht es an das Einmessen der entsprechenden Geschwindigkeiten. Das Messband einlegen, den DIN Ausgang der TS1000 mit dem Eingang des FrequenzzĂ€hlers verbinden und mit der Bandgeschwindigkeit 4,75 cm/s starten. Auf dem FrequenzzĂ€hler solltet ihr ĂŒber den Trimmer R22 dann die 1000Hz anstreben. Bei dieser extrem langsamen Geschwindigkeit kann es schon passieren, dass die Frequenz mit einer Toleranz von +/- 10 % springt, sich aber im Mittel bei 1000Hz einpegelt. Keine Sorge! Entscheidend sind die Geschwindigkeiten 9,25 cm/s und 19 cm/s.

Diese sind wichtiger als die „Geheimdienstabhörgeschwindigkeiten“ aus Zeiten des kalten Krieges. Die Geschwindigkeit 9,25 cm/s stellt ihr mit dem Trimmer R24 und die Geschwindigkeit 19 cm/s mit dem Trimmer R22.

Bitte nehmt Euch die Zeit diesen Justierungs-Durchlauf 2 bis 3 mal zu wiederholen.

Autoreverse Baustein – Rauchzeichen aus dem FĂŒrther Lager.

Die Grundig Ingenieure haben es den Japaner immer zeigen wollen und mit der Entwicklung der Autoreverse-Steuerung auch bewiesen, dass eine TS1000 ohne Dual-Capstan in der Lage ist, ein Band in sehr guter QualitĂ€t wiederzugeben. Auf der Motorplatine befindet sich ein Steckplatz fĂŒr die Reverse-Platine.

Diese hat allerding so seine TĂŒcken. Steckt man diesen nicht PIN-konform ein, gibt es böse Rauchsignale auf dem Reversebaustein und der Motorsteuerung.

Markierungen fĂŒr den  sicheren Aufsteckvorgang. (c) Heinz D. Schultz
Die Transistoren T13 auf der Reverse-Platine und der Transistor T11 auf der Motorplatine sind ins Reich der ewigen JagdgrĂŒnde dahingezogen. Ein Austausch der beiden setzt das System in den Urzustand.
Defekter T11 auf der Motorplatine (c) Heinz D. Schultz
Defekter T13 auf der Reverseplatine (c) Heinz D. Schultz
Beim erneuten Aufstecken der Platine solltet ihr unbedingt auf die korrekte Position der Steckerleiste achten.

Ich habe bei meinen durchgefĂŒhrten Revisionen eine kleine FĂŒhrungsschiene angebracht. Diese verhindert, dass die Platine falsch aufgesteckt wird.

FĂŒhrungsschien auf der Tonwellen-Platine (c) Heinz D. Schultz
Das war es auch schon. Eure TS1000 lÀuft wieder prÀzise wie aus dem Werk im Jahr 1976.
Copyright des Titelbildes liegt bei Étienne Beauregard-Riverin auf Unsplash